Durch Palmendickicht – High Fantasy Bücher mit Dschungelsetting
- Kornelia Schmid

- vor 3 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Der tropische Dschungel ist kein häufiger Schauplatz von High Fantasy. Womöglich ist dieses Setting zu anders für viele Geschmäcker. Dennoch gibt es ein paar Bücher, die Magie in dichtem Dickicht entwickeln. Hier gebe ich Buchtipps.

High Fantasy spielt klassischerweise im europäischen Mittelalter. Wenn nicht Mittelalter, dann Frühe Neuzeit – aber immer noch in Europa. In den letzten Jahren nahm chinesisch oder japanisch inspirierte High Fantasy auf dem Buchmarkt zu. Andere Regionen der Erde (vom arabischen Raum einmal abgesehen – wer möchte, werfe einen Blick in meinen Artikel zu Wüstenfantasy: https://www.kornelia-schmid.de/post/high-fantasy-buecher-mit-wuesten –) werden jedoch seltener in Fantasyromanen präsentiert. Savanne oder Südseeinsel? Verdienen definitiv eigene Artikel! Hier geht es aber erst einmal um den Dschungel.
High Fantasy im Dschungel
Dschungel gibt es auf verschiedenen Kontinenten. In dieser Rubrik sammle ich sie alle – egal, ob Asien, Afrika oder Amerika.
Mein Roman "Der Palast im Regen" ist ein Einzelband, der in einem Dschungellandstrich spielt. Architektur und Kultur sind von Indien inspiriert. Die Protagonist:innen müssen sich an mehreren Stellen durchs Unterholz schlagen, stoßen auf verfallene Tempelruinen und dinieren während der Monsunzeit in prächtigen Palästen. Es gibt Elefanten und Tiger genauso wie exotische Vögel. Um Mythologie geht es hier allerdings nicht: Der Roman spielt in derselben Welt wie meine Trilogie "Herrscher des Lichts" und mein Einzelband "Die Stimme im Licht" und bedient entsprechend dasselbe Magiesystem einschließlich der dazugehörigen magischen Wesen wie Irrlichtern. Nichtsdestotrotz gibt es hier viel Tropenatmosphäre mit schwülen Nächten und warmen Regenschauern.

Lee Young-Do hat eine von asiatischer Mythologie inspirierte Fantasyreihe geschaffen. In "Die Legende vom Tränenvogel" tritt das Volk der Nagas auf. Diese Schlangenwesen stammen ursprünglich aus der indischen Mythologie, sind jedoch auch in Nepal und Tibet bekannt. In den Romanen leben die Nagas im Dschungel und so spielt auch ein großer Teil der Handlung in ebenjenem. Dort leben Elefanten zwischen luftwurzelnden Bäumen und an Flussufern wachsen magische Drachenblumen. In überwachsenen Ruinen leben Monster und auch ein Riesentiger streift umher. Die Romane fallen deshalb durch ein ungewöhnliches Worldbuilding und eine entsprechend ungewöhnliche Atmosphäre auf. Natürlich muss man auch anmerken, dass an manchen Stellen spürbar ist, dass sich der Geschmack des westlichen Publikums von dem der koreanischen Zielgruppe unterscheiden dürfte. Die Figuren sind Typen, die Handlungen und Dialoge manchmal ein wenig pathetisch und die Perspektiven werden im Text vermischt. Auf diese Art von Literatur muss man sich einlassen wollen – was jedoch nicht heißen soll, dass sie schwer zugänglich wäre. Denn flüssig liest sich der Text auf jeden Fall.

"Der Jasmin-Thron" von Tasha Suri hat nicht wirklich eine bedeutsame Dschungelhandlung. Es gibt durchaus Wald und eine Pflanzenthematik, aber die Protagonist:innen schlagen sich nicht durchs Dickicht. Das Buch habe ich hier dennoch mit aufgenommen, weil Indien als Setting für High Fantasy unkonventionell ist, es eben doch Wälder gibt und Leute, die gerne "High Fantasy im Dschungel" lesen, vermutlich auch zu diesem Buch greifen würden. Trotz des Werbeschlagworts "Romantasy" steht die Beziehungsentwicklung in dem Roman nicht im Mittelpunkt. Dafür aber die Aufdeckung von Geheimnissen, die in engem Zusammenhang mit der indischen Mythologie zu verstehen sind, und Intrigen, Politik und Rebellion. Folglich kommen auch (oder sogar im Speziellen) Nicht-Romantasy-Leser:innen hier voll auf ihre Kosten. Und wer weiß, vielleicht gibt es in den Fortsetzungen auch noch Dschungel?

Ein Science-Fiction-Buch in einer High-Fantasy-Liste? Nun, Kritika H. Raos "The Surviving Sky" ist wenn überhaupt Science-Fantasy (oder Arcanepunk?) – oder einfach High Fantasy mit magiebasierter Technologie. Wobei diese in Bezug auf die Atmosphäre keine entscheidende Rolle spielt. Es gibt zwar beispielsweise Tablets, aber das, was das Leben der Menschen wirklich beeinflusst, ist Pflanzenmagie, mit deren Hilfe Städte in den Himmel gehoben werden. Diese Magie können wenige Auserwählte wirken – und sie birgt ein Geheimnis. Im ersten Roman der Trilogie gibt es jedenfalls viel Dschungel, indische Mythologie und Kultur. Darüber hinaus erzählt der Roman von der zerrütteten Ehe der beiden Protagonist:innen. Wer bereit ist, sich in ein Setting einzufinden, in dem es Ingenieure und entsprechend ein paar von ihnen entwickelte Gerätschaften gibt, ist hier als High-Fantasy-Fan gut aufgehoben.

In Bernhard Hennens "Drachenelfen" lebt ein Teil der Menschen (die "Zapote") in einem Dschungellandstrich. Die Kultur dürfte von den Kulturen Mittel- und Südamerikas, insbesondere den Azteken, inspiriert sein – in einer Stufenpyramide werden einer gefiederten Schlange Menschenopfer erbracht. Zentral ist das Dschungelsetting in den Romanen nicht (in den gut 5000 Seiten der Reihe geht es zumeist eher in andere Landstriche). Doch es kommt immer vor und vor allem in Band 3 gibt es mehrere Szenen, die sich mit den Zapote auseinandersetzen. Aztekenfantasy ist ungewöhnlich und mir außerhalb dieser Romane nicht bekannt – deswegen sollen sie an dieser Stelle nun auch ihren Platz bekommen. Abgesehen von der Dschungelthematik ist das Setting auch deshalb interessant, weil es sich (zumindest, was die Reiche der Menschen angeht) bronzezeitliche und antike Kulturen zum Vorbild nimmt. Interessant zu lesen, wenn auch manchmal etwas ausschweifend (das muss man sicher mögen).
Meine Kurzgeschichtensammlung "Goldlichtrisse" startet mit einem Setting, das von Indien mit der dazugehörigen Mythologie inspiriert ist. Es gibt also Dschungel, Tempelruinen, Tiger, Apsaras, Wasserfälle und Paläste. Weil ich das Dschungelsetting sehr mag, gibt es außerdem noch eine weitere Geschichte, die inmitten von Mangroven spielt. Und auch eine Erzählung mit mittelamerikanischer Stufenpyramide ist enthalten. Dazu gibt es auch eine Geschichte mit Südseesetting, was zumindest auch tropisch ist. Natürlich haben die Folgebände "Kristallstarre" und "Tempelfeuer" ebenfalls Dschungelgeschichten, meistens von Südamerika, einmal von Afrika inspiriert. Und zwei Südseemärchen sind auch wieder mit dabei.





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