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Wie man erfolgreich in Wettbewerbs-Anthologien veröffentlicht

3. Jan. 2024
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Aug.

Überschriften wie diese versprechen vor allem eines: Dass es reicht, simple Regeln zu befolgen, um zum gewünschten Ziel zu kommen. Ganz so einfach ist es durchaus nicht, denn hinter einem Auswahlverfahren steht mindestens ein Mensch mit seinem ganz eigenen Geschmack – und der ist nicht immer vorherzusehen. Doch für mich selbst habe ich durchaus ein Raster ausmachen können, das meine Trefferquote gesteigert hat. Hier findet ihr meine Tipps.


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Also dann: Hier geht's nicht ums Schreiben, sondern um Konzeption und Strategie. Denn es wäre schön, wenn hervorragendes Schreiben allein ausreichen würde, um eine sichere Veröffentlichungsquote zu haben. In der Praxis ist das aber nicht der Fall. Als ich angefangen habe, bei Wettbewerben einzureichen, habe ich bereits exzellent geschrieben – und trotzdem mehr Ab- als Zusagen kassiert. Am Anfang war mir das völlig unverständlich, eben weil ich dachte, die literarische Qualität sei das einzige, was zählt. Doch dann habe ich verstanden, dass die zwar eine gute Voraussetzung, aber nicht der Schlüssel für erfolgreiches Kurzgeschichtenveröffentlichen ist. Dennoch zielt mein erster Tipp darauf ab:


1. Immer nur ausgezeichnete Geschichten einreichen


Ist klar, oder? Wenn der Text nichts taugt, sind alle anderen Tipps hinfällig. Wenn sich eure Geschichte also nur halbgar anfühlt, dann schreibt eine bessere. Wer dazu Tipps sucht, findet sie übrigens hier: https://www.kornelia-schmid.de/post/fantasy-kurzgeschichten-schreiben.


2. Den Geschmack der Herausgeber:in kennen


Die Herausgeber:in ist auch gleichzeitig die Verleger:in und/oder hat schon mehrere Anthologien betreut? Sehr gut, denn dann habt ihr die Möglichkeit über die bisherigen Publikationen den Geschmack besser einzuschätzen und euch ein möglichst genaues Bild davon zu machen, welche Art von Geschichte gesucht wird - denn leider geht das oft genug nur oberflächlich aus dem Ausschreibungstext hervor. Eher witzig? Eher düster? Unkonventionell geschrieben? Oder doch lieber genrekonform? Wer sich hier im Vorfeld informiert, reicht mit höherer Wahrscheinlich eine Geschichte ein, die den richtigen Nerv trifft.


3. Wissen, was die anderen schreiben


Läuft eine Ausschreibung zum Thema "Vampire", wie viele Geschichten werden da wohl in nächtlichen europäischen Burgen spielen? Geht es um "Fabelwesen", wie viele Drachen und Einhörner werden wohl herumtollen? Und bei "Nordischer Mythologie" werden sich wohl Thor und Loki mit den Hauptrollen abwechseln. Bevor ihr überhaupt mit der Konzeption eurer Geschichte anfangt, fragt euch am besten immer, ob euer gewähltes Thema originell ist oder eher auf einer Welle mitschwimmt, die viele andere auch für sich nutzen werden. Denn am Ende wird es höchstens eine Burgen-, eine Drachen- und eine Loki-Geschichte geben. Wer seine Vampire nach Südamerika schickt, über arabische Wüstengeister schreibt und nicht Thor, sondern lieber seinen Ziegen eine Stimme gibt, hebt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit von der Konkurrenz ab.


4. In die Bibliothek fahren


Was ist eigentlich in Venedig am 3. Mai des Jahres 1622 passiert? Wikipedia wird es euch nicht verraten. Und auch Google gibt wenig dazu her. Aus Erfahrung kann ich sagen: Viele Themen unterschiedlichster Fachgebiete sind im Internet nur oberflächlich aufgearbeitet – oftmals ist die Darstellung sogar falsch! An einem Bibliotheksbesuch sollte also niemand vorbeikommen, der sich ein wenig intensiver mit einem bestimmten Thema auseinandersetzen möchte. Außerdem gilt: Die Autor:in weiß immer mehr, als in der Geschichte am Ende steht. Eine Ausschreibung zum Thema "Nordische Mythologie"? Dann lest doch mal anstelle von Wikipedia die "Edda", die gibt es als Übersetzung. Welche "Edda", werden die Kenner fragen? Natürlich beide.


Der Vorteil von guter Recherche ist auch, dass ihr dabei auf Hintergründe stoßt, die neue Ideen auslösen können – und zwar solche, auf die ihr vorher nie gekommen wärt. Die Geschichte wird dadurch origineller und das wird ihre Chancen deutlich steigern (siehe Punkt 3).


5. Sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen


Alles berücksichtigt? Eine originelle, sprachlich versierte, wohlrecherchierte Geschichte geschrieben, die perfekt zum Verlagsportfolio passt – und trotzdem wurde sie beim Wettbewerb abgelehnt? Das passiert. Es ist sogar normal, dass es passiert. Manchmal springt eben der Funke nicht über oder die Geschichte hat zwar gefallen, passt aber nicht zur restlichen Auswahl, oder eine Geschichte mit einem ähnlichen Thema war noch ein bisschen näher an den Anforderungen. Abgelehnte Geschichten müssen deshalb nicht schlecht sein. Oftmals passt ein bestimmtes Thema bei mehreren Ausschreibungen und dann klappt die Veröffentlichung beim zweiten Mal. Oder beim dritten. Eine Geschichte, die inzwischen erschienen ist, musste ich sogar viermal einreichen, bevor sie genommen wurde. Ich weiß auch, warum: Diese Geschichte ist sprachlich ein wenig experimenteller und deshalb schwerer zugänglich. Aus literarischer Perspektive ist sie hochwertiger als so manch andere meiner Erzählungen, aber "literarisch hochwertig" ist oft überhaupt nicht das, was gesucht wird. Eines ist jedenfalls sicher: Eine gute Geschichte findet immer ihren Platz.


Anhang I: Wo findet man Ausschreibungen?


Wer auf Social Media mit der Kleinverlagsszene vernetzt ist, findet viele Ausschreibungen sicher dort. Es gibt aber auch einige Seiten, die Wettbewerbe sammeln. Weil keine davon wirklich vollständig ist und die Schwerpunkte auch immer ein bisschen anders sind, lohnt es sich in der Regel, mehrere davon abzugrasen.


Die Autorenwelt sammelt unterschiedliche Wettbewerbe, in der Regel für Anthologien oder Zeitschriften: https://www.autorenwelt.de/verzeichnis/aufrufe.


Bei Wortmagier findet ihr ebenfalls eine Vielzahl unterschiedlicher Wettbewerbe, neben Anthologien auch für Stipendien und Ähnliches und laufende Ausschreibungen: https://www.wortmagier.de/ausschreibungen-wettbewerbe.html.


Beim Tintenzirkel findet ihr Ausschreibungen, die entweder gezielt auf Fantastik zielen oder Fantastik zumindest miteinschließen. Es geht dabei hauptsächlich um Anthologien: https://forum.tintenzirkel.de/index.php?board=97.0.


Anhang II: Worauf bei Wettbewerben achten?


Vorsicht: Nicht alle Wettbewerbe sind seriös! Achtet deswegen unbedingt auf Folgendes:


  1. Welcher Verlag steckt dahinter? Oft veranstalten bekannte DKZVs (Druckkostenzuschussverlage – Finger weg mit drei Ausrufezeichen!!! Das sind Pseudoverlage, die nur darauf zielen, Autor:innen das Geld aus der Tasche zu ziehen und in der Branche zurecht verschrien sind) Wettbewerbe, um dadurch Kontakte zu Neuautor:innen zu knüpfen. In der Regel ist die Qualität der fertigen Bücher unterirdisch (schon allein deswegen, weil informierte Autor:innen hier nicht teilnehmen) und die Idee ist, dass es für die Teilnehmenden in der Regel die erste Veröffentlichung ist und sie entsprechend für ihre gesamte Verwandschaft die Bücher zum überteuerten Preis einkaufen und im Anschluss womöglich auch empfänglich für das Geschäftsmodell des Unternehmens sind.

  2. Gibt es ein Belegexemplar oder eine Vergütung? Damit eine Ausschreibung seriös ist, solltet ihr in irgendeiner Form vergütet werden. In der Regel geschieht dies durch ein kostenloses Print-Belegexemplar. Gibt es dieses nicht, ist das Modell hinter der Ausschreibung vermutlich das eine DKZVs: Man geht davon aus, dass zumindest die Autor:innen sich ihre eigenen Bücher kaufen und womöglich auch gleich der Verwandschaft welche schenken und so generiert das Projekt Einkommen, ohne dass auch nur eine einzige "echte" Leser:innen die Anthologie je in die Hand nimmt. Eine Ausnahme sind Spendenanthologien: Hier arbeiten alle unentgeldlich. Ihr bekommt zwar kein Belegexemplar und/oder Honorar, aber ihr werdet auch nicht über den Tisch gezogen, sondern tut im Gegenteil etwas für einen guten Zweck. Ob ihr bei so etwas mitmachen wollt, ist eine persönliche Entscheidung – aber man braucht hier keine Angst haben, dass es unseriös wäre.

  3. Muss man eine Teilnahmegebühr zahlen oder gibt es Mindestabnahmemengen? Finger weg davon! Solche Praktiken verweisen auf DKZVs. Wie schon geschrieben: Das Geschäftsmodell ist es, mit Autor:innen Geld zu machen, nicht mit Leser:innen.

  4. Wirkt die Aufmachung professionell? Schaut, wie die anderen Bücher des Verlags aussehen und ob sie einen guten Eindruck machen. Wenn die Anthologie das erste Verlagsbuch wird, dann schaut euch zumindest die Homepage an. Schlechte Covergestaltung ist inzwischen meistens (nicht immer) ebenfalls ein Hinweis auf DKZVs, denn sie zeigt, dass der Verlag nicht in das Produkt investiert. Aber auch sehr junge Verlage sind hier hin und wieder sehr sparsam unterwegs. Einerseits verständlich, weil Anthologien selten Verkaufsschlager werden, andererseits müsst ihr euch fragen, ob ihr davon dann tatsächlich Teil sein wollt. Es ist eine persönliche Entscheidung.


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