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Roman fit zur Veröffentlichung machen – Wie findet man das passende Lektorat?

Wer einen Roman verfasst hat und diesen im Selfpublishing veröffentlichen will, wird vermutlich irgendwann an den Punkt kommen, sich auf die Suche nach passenden Dienstleister:innen zu begeben. In dem Dschungel aus Angeboten durchzublicken ist schwer – in diesem Artikel gebe ich Tipps, worauf man bei Lektor:innen achten sollte.


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Ein Buchcover kann man womöglich selbst gestalten – ein Lektorat selbst durchzuführen, ist hingegen nicht möglich. Denn der fremde Blick auf den Text ist ein ganz entscheidender Bestandteil dieser Leistung. Autor:innen sind bei ihren eigenen Texten naturgemäß bis zu einem gewissen Grad betriebsblind (und da spreche ich aus Erfahrung). Irgendwann sieht man manches nicht mehr, weiß unter all den Dingen, die durch den Kopf schwirren, nicht mehr, was davon eigentlich auf dem Papier steht oder nicht oder kann die Wirkung einer Textpassage auf nicht-involvierte Leser:innen nicht mehr einschätzen. Was Autor:innen selbst tun können: intensiv überarbeiten. Die Lektor:in kümmert sich dann um die blinden Flecken.


Inhalt



Was ist ein Lektorat?


Bevor ich euch verrate, was ein Lektorat ist, erkläre ich, was es nicht ist:


Ein Lektorat ist KEIN Korrektorat. Beides sind Dienstleistungen aus der Buchbranche und oft werden sie von denselben Personen angeboten. Ein Lektorat geht aber sehr viel weiter als ein Korrektorat und besitzt auch einen anderen Fokus (mehr dazu im nächsten Abschnitt).


Ein Lektorat ist KEIN Ghostwriting. Eine Lektor:in wird euch euren Text nicht verbessern und umschreiben. Denn das ist nicht ihre Aufgabe, sondern eure. Eine Lektor:in legt den Finger in die Wunde, stellt die Diagnose und schlägt womöglich auch Medikamente vor. Die Behandlung müsst ihr aber selbst durchführen.


Was also ist ein Lektorat? Ein Lektorat besitzt zwei Schwerpunkte. Im Bereich Struktur und Inhalt geht es um Spannungsbögen, um Szeneneinstiege, um Logiklücken, um Konsistenz, um die Ausarbeitung der Charaktere und eben um alles, was irgendwie mit der Konzeption zu tun hat. Im Bereich Sprache und Stil geht es um die Optimierung auf Wortebene, um Prägnanz, um Bildhaftigkeit, um Rhythmus und Klang, um Metaphern und Vergleiche, um Blickführung und sonst alles, was mit Ausdruck zu tun hat.


Letztlich ist das Grundanliegen eines Lektorats, dafür zu sorgen, dass der Text für die jeweilige Zielgruppe funktioniert. Deswegen wird auch jedes Lektorat ein wenig anders aussehen. Bei einem Gedicht sind Rhythmus und Klang entscheidend, bei Spannungsliteratur meistens eher untergeordnet. Manchmal liest sich ein Text vielleicht schon flüssig, aber es passiert einfach nichts Spannendes. Dann geht es im Lektorat mehr um die Struktur. Umgekehrt ist vielleicht die Story hervorragend, aber auf Sprachebene kommt nicht das herüber, was herüberkommen sollte. Dann wird die Bearbeitung darauf abzielen, die Geschichte so einzukleiden, dass sie intensiver auf die Leser:innen wirkt.


Was ist der Unterschied zum Korrektorat?


Ein Korrektorat kümmert sich um Rechtschreibung und Grammatik. Hier werden Tippfehler aufgespürt und falsche Konstruktionen angestrichen. Hier geht es um richtige Satzzeichen und um passende Schreibweisen. Im simpelsten Fall setzt ein Korrektorat Duden-Empfehlungen um, was nun nicht unbedingt eine tiefergehende fachliche Expertise erfordert. Allerdings kann künstlerischer Ausdruck oft über die Intention und Leistungsfähigkeit des Dudens hinausgehen, deswegen ist es in meinen Augen bei komplexeren Texten durchaus sinnvoll, eine Korrektor:in mit sprachwissenschaftlichen Hintergrund zu beauftragen, weil dann bestimmte Formulierungen besser im Kontext betrachtet werden können. Auch ein Korrektorat kann also durchaus fordernd sein – es hängt vom Manuskript und Anspruch ab.


Formatierungsfehler können im Korrektorat ebenfalls mitangestrichen werden. Deswegen ist es sinnvoll, den fertigen Buchsatz ins Korrektorat zu geben. Für alle, die den Buchsatz zum ersten Mal selbst machen: Es gibt ein paar Stolpersteine, an die man zunächst nicht denkt und über die man sich informieren sollte. Und natürlich übernehmen das auch gerne Profis mit Designhintergrund für euch.


Ein Korrektorat kümmert sich also in erster Linie um Form und um den Inhalt nur insofern, als dass es bei einzelnen Wörtern die dem Kontext angemessenste Schreibweise empfiehlt. Es geht folglich um den Feinschliff bei einem Text, der ansonsten fertig ist. Das heißt: Das Korrektorat ersetzt kein Lektorat und kommt immer erst danach.


Was ist der Unterschied zum Sensitivity Reading?


Eine andere Dienstleistung, die oft neben Lektorat und Korrektorat steht, ist das sogenannte Sensitivity Reading. Dieses kann im Rahmen eines Lektorats stattfinden, muss aber nicht. Das hängt sehr vom Thema und den Hintergründen der Lektor:in ab. In der Regel werden dafür eigene Dienstleister:innen beauftragt. Denn beim Sensitivity Reading geht es darum, diskriminierende Muster und Inhalte sichtbar zu machen, die aufgrund kultureller und sozialer Prägung unabsichtlich unterlaufen sind. Dazu gehören beispielsweise sexistische, rassistische oder queerfeindliche Narrative. Sensitivity Reader sind oft auf bestimmte Bereiche spezialisiert, beispielsweise die Darstellung einer bestimmten Kultur, Sexualität oder Geschlechtsidentität. Nicht jeder Text benötigt zwangsläufig ein Sensitivity Reading, aber bei vielen Thematiken kann es sinnvoll sein, eine Expert:innenmeinung miteinzubinden. In welchem Diskurs sich ein Text hier bewegt oder bewegen soll, muss jede Autor:in selbst einschätzen und abwägen.


Welche Voraussetzungen sollte eine Lektor:in mitbringen?


"Lektor:in" ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Jede Person kann sich so nennen, wenn sie diese Dienstleistung anbietet – völlig egal, ob sie nun qualifiziert ist oder nicht. Oft ist es so, dass jemand selbst schreibt und dann irgendwann eben auch zum Lektorieren beginnt. Das muss grundsätzlich nicht verkehrt sein (ich bin da ja auch gar keine Ausnahme), aber man muss sich schon darüber im Klaren sein, dass erfolgreich zu schreiben und zu veröffentlichen nicht automatisch bedeutet, dass man auch ein tiefergehendes Textverständnis besitzt, das sich auf andere Textgattungen, Konzeptionen und Stile anwenden lässt. Eine Autor:in beherrscht womöglich ihr eigenes (Sub-)Genre und hat ihren individuellen Zugang zum Schreiben gefunden. Wenn sie aber nicht gelernt hat, wie vollkommen andere Zugänge aussehen können, ist sie als Lektor:in nicht geeignet. In meinen Augen sind deshalb ein paar Voraussetzungen besonders wichtig.


1. Literatur- und/oder sprachbezogenes Studium


Wer Germanistik studiert hat, ist dadurch nicht automatisch qualifiziert, Lektorate durchzuführen (noch lange nicht!). Aber der Vorteil von diesem Fach ist, dass man hier erfährt, wie Sprache funktioniert und wie man mit Texten arbeitet. Man lernt, auch komplexe Texte zu verstehen und zu interpretieren, erfährt, wie Literaturtheorien anzuwenden sind, man entdeckt sehr viel unterschiedliche Literatur und arbeitet oft auch interdiziplinär. Das alles sind Kompetenzen, die man als Lektor:in braucht, denn man bekommt auch hier sehr viele unterschiedliche Texte auf den Schreibtisch und muss sie verstehen und mit ihnen arbeiten können – selbst dann, wenn sie sich stilistisch und inhaltlich stark von dem unterscheiden, was man vielleicht selbst schreibt und/oder in seiner Freizeit liest.


Studiengänge, die solche Kompetenzen vermitteln sind neben Germanistik unter anderem alles, was "Literaturwissenschaft" oder "Philologie" in der Bezeichnung trägt, Buchwissenschaften, Journalistik oder Theaterwissenschaften. Und auch wenn Germanistik natürlich naheliegt, so bekommt man beispielsweise in Anglistik ganz genauso das passende Handwerkszeug mit.


Für mich ist ein entsprechendes Studium tatsächlich eine wichtige Voraussetzung. Natürlich gibt es auch Quereinsteiger:innen, die aus anderen Fächern kommen und trotzdem etwas vom Lektoratshandwerk verstehen – aber ein fünfjähriges Sprach- und Literaturstudium ist eben doch ein erheblicher Vorteil, der nicht unterschätzt werden darf. Wäre es anders, hätte ich sehr viel Lebenszeit verschwendet. Und ja, fünf Jahre heißt Master oder Diplom. Denn ganz ehrlich: Nach meinem Bachelor konnte ich so gut wie nichts und hatte nicht mal Goethe gelesen. Ein tiefergehendes Verständnis für Literatur habe ich erst in meinem Master entwickelt, weil die Lehre erst hier über reine Grundlagen hinausging. Das heißt nicht, dass ich nun der Maßstab für alles sein muss, aber ich denke, in vielen Fällen ist meine Erfahrung da schon repräsentativ.


2. Eine Qualifikation im Bereich Textarbeit


Um in einem großen Verlag Lektor:in zu werden, muss man üblicherweise ein zweijähriges Volontariat absolvieren, in dem die relevanten Kompetenzen vermittelt werden. Wenn jemand als Lektor:in volontiert und anschließend Berufserfahrung hat, dann könnt ihr euch darauf verlassen, dass diese Person auch Ahnung hat, was sie da tut. Natürlich ist es aber oft so, dass diese Leute im Großverlagsbereich bleiben und sich eben nicht selbstständig machen. Die meisten freien Lektor:innen haben höchstwahrscheinlich einen anderen Weg beschritten.


Wenn eine Person also kein entsprechendes Volontariat absolviert hat, sollte es in meinen Augen irgendeine andere Form von nachweislicher Textkompetenz geben. Eine lange Publikationsliste ist vielleicht ein Indiz (und damit meine ich ausdrücklich nicht Selfpublishing, sondern Verlagspublikationen. Denn Selfpublishing-Romane können zwar durchaus hochwertig sein, aber es gibt eben keine Qualitätskontrolle, sodass die Quantität an sich nichts aussagt. Wenn jemand aber bei verschiedenen seriösen Verlagen oder Magazinen einen Einstieg gefunden hat, haben auch schon verschiedene Personen die Qualität bestätigt.) Gut ist sicher auch eine journalistische Ausbildung oder Berufserfahrung in diesem Bereich (denn da muss man nicht nur schreiben, sondern auch immer wieder mal lektorieren oder redigieren). Werbetexten ist auch Textarbeit, also warum nicht. SEO – durchaus artverwandt.


Es gibt zudem Lektoratskurse mit anschließendem Zertifikat – das kann natürlich auch eine gute Sache sein. Ihr solltet dabei nur darauf achten, dass ein solcher Kurs von einem Profi durchgeführt wurde und einen nennenswerten Umfang hat (drei Tage mal schnell ein bisschen Lektorieren lernen, ist eher nicht ausreichend). Der Nachteil dabei: Die Teilnahme an einem Kurs an sich bestätigt eben nicht, dass man hinterher tatsächlich Kompetenz hat, sondern nur, dass man da war. Also einfach genau hingucken.


Wenn also jemand zwar lange studiert hat, aber sonst keine Erfahrung im Bereich Textarbeit hat, wäre ich eher vorsichtig, hier ein Lektorat zu beauftragen. Denn an der Uni lernt man in der Regel weder professionelles Schreiben noch Lektorieren (die Studiengänge "Kreatives Schreiben" und "Literarisches Schreiben" einmal ausgenommen). Das sind zwei paar Stiefel. Die Uni liefert den theoretischen Hintergrund, die Berufspraxis das Handwerk.


3. Referenztitel


Manchmal sprechen auch die Referenztitel für sich. Wenn eine Person bereits zehn Jahre als Lektor:in tätig ist und hundert lektorierte Bücher im Portfolio hat, dann gab es offenbar eine Menge Kund:innen, die mit ihrer Arbeit zufrieden waren. Wenn Lektor:innen noch am Anfang stehen, werden sie ein entsprechend reichhaltiges Portfolio natürlich noch nicht haben – und die Mühlen in der Literaturlandschaft mahlen langsam. Manchmal dauert es zwei oder drei Jahre, bis das lektorierte Buch dann tatsächlich erscheint und entsprechend lange taucht es auch in der Titelliste nicht auf. Hier viele Titel stehen zu haben, ist also klar ein Vorteil – umgekehrt muss es aber nicht per se negativ sein, wenn hier nicht so viele Bücher stehen. Vielleicht befinden sich die gerade einfach noch im Veröffentlichungsprozess. Hier gilt also genau wie bei der Qualifikation: einfach genau hinschauen.


4. Lektorat im Kleinverlag?


Oben schrieb ich bereits von den Vorteilen der Lektoratserfahrung im Großverlag – wie sieht das bei kleinen Verlagen aus? Hier muss man sich bewusst sein, dass bei vielen Kleinverlagen die Verleger:innen mehrere Rollen einnehmen und gleichzeitig auch lektorieren. Oder aber das Lektorat übernehmen Quereinsteiger:innen oder Studierende und arbeiten für wenig bis gar keine Bezahlung. Das bedeutet: Naturgemäß hat das Lektorat in diesem Umfeld nicht immer Profiqualität.


Aus eigener Erfahrung (nämlich durch Veröffentlichungen bei, Stand 2026, 26 Kleinverlagen) kann ich sagen: Meistens läuft das Lektorat hier eher minimalistisch ab und ähnelt einem etwas ausführlicheren Korrektorat. Schlimmstenfalls geht das Lektorat sogar am Text vorbei, deformiert ihn, statt ihn zu schleifen. Ja, ich hatte es auch schon, dass ich eine Geschichte zurückziehen musste, weil die "Lektorin" sie nach ihrem Gusto umschreiben wollte und ich absolut nicht hinter diesen Änderungen mit meinem Namen stehen wollte und konnte. Autorenkolleg:innen aus dem Kleinverlagsbereich haben mir schon vielfach Ähnlichdes berichtet – wobei es aber natürlich auch viele gab, die sehr zufrieden mit ihren Lektor:innen waren!


Wenn also eine Lektor:in Erfahrung im Kleinverlagsbereich vorweisen kann, ist das zwar auf jeden Fall schonmal Erfahrung, damit mehr als somanch andere haben und entsprechend positiv, aber dahinter steckt sehr oft keine wie auch immer geartete Ausbildung und die Qualität der Arbeit, die Lektor:innen hier abliefern, ist extrem unterschiedlich und von außen schwer zu bewerten. Diese Referenz ist deswegen zwar an sich gut, aber leider keine Garantie für Qualität. Hervorzuheben ist dabei allerdings: Wer im Kleinverlag lektoriert hat, kennt immerhin die Abläufe und Hintergründe von Verlagen und kann hier entsprechend beraten. Das ist eine gute Sache für alle, die sich mit ihrem Text noch bewerben wollen.


5. Aufs Genre achten


Was ich euch weiterhin empfehlen würde, ist zu schauen, inwiefern sich eine Lektor:in in dem Genre auskennt, das ihr schreibt. Denn jedes Genre und jede Textgattung hat andere Anforderungen. Manche Lektor:innen sind da besonders breit aufgestellt. Ich persönlich würde mich nur auf die Genres konzentrieren, wo ich auch guten Gewissens behaupten kann, mich wirklich auszukennen. Dazu gehören Fantasy, Science-Fiction und historische Romane. Bei Krimis oder Thrillern muss ich einfach zugeben, dass ich diese Genres selbst sehr wenig lese und entsprechend nicht so gut in den Strukturen drin bin, wie ich es sein müsste, wenn ich ein Lektorat anbiete. Sucht ihr also eine Lektor:in für euren Fantasyroman, solltet ihr euch nicht an eine wenden, die ausschließlich zeitgenössische Belletristik im Portfolio hat. Das passt dann wahrscheinlich nicht zusammen. Habt ihr Science-Fiction geschrieben, seid ihr wahrscheinlich falsch bei einer Person, die auf Romance spezialisiert ist. Die Zielgruppen und entsprechend auch Genrekonentionen sind komplett unterschiedlich. Ich denke, es ist nur natürlich, dass nicht jede Person mit allen Genres gleich viel anfangen kann.


Schwierig finde ich es deshalb, wenn jemand einfach alles anbietet. Denn ist das wirklich realistisch? Klar, wenn es lediglich um Sprache und Stil geht, lektoriere ich euch auch einen Krimi. Aber inhaltlich würde mir vermutlich etwas durchrutschen und ich könnte euch beispielsweise auch nicht beraten, welche Marktchancen der Roman hat. Ich könnte euch nichts dazu sagen, ob die Leser:innen hier bestimmte Muster schätzen oder eher ablehnen und ich wüsste auch nicht, welcher Veröffentlichungsweg für euch der beste ist.


Deswegen: Schaut einfach ein bisschen, dass es passt und vergebt einen Auftrag nicht im Blindflug.


Harmoniert die Zusammenarbeit?


In der Regel bieten Lektor:innen ein Probelektorat an, bei vielen ist es kostenlos. Ich beispielsweise lektoriere die ersten vier Seiten eines Manuskripts kostenlos. Vier Seiten – für manche klingt das vielleicht nach wenig. Tatsächlich reichen aber bereits wenige Seiten, um (meinerseits) den Text einzuschätzen und um (auf Kund:innenseite) einen Eindruck von der Arbeit der Lektor:in zu bekommen. Denn wenn auf diesen vier Seiten keine nennenswerte Bearbeitung stattfindet, versteht die Lektor:in wahrscheinlich nicht genug von ihrem Handwerk. Es ist normal, dass auf einer Seite ganz viel angestrichen und kommentiert ist. Und dafür bezahlt ihr! Wenn die Lektor:in nur eine Wortwiederholung und ein Füllwort findet, dann seid ihr mit einen professionellen Korrektorat besser beraten. Auch hier gibt es Leute, die so etwas wie Wortwiederholungen gleich mitmachen. Für mich persönlich ist es eher ein Warnzeichen, wenn Probelektorate eine hohe Seitenzahl umfassen. In der Tiefe, in der ich arbeite, könnte ich niemals 15 Seiten kostenlos anbieten. Meine persönliche Meinung: Wer 15 Seiten braucht, um in den Text zu finden und seine Arbeitsweise zu demonstrieren, braucht zu lange.


Aber nehmen wir einmal an, ihr habt ein ausführliches Probelektorat erhalten. Im nächsten Schritt solltet ihr prüfen, ob ihr mit den Anmerkungen etwas anfangen könnt und auch, ob der Ton für euch passt. Lektor:innen sollte bewusst sein, dass in den Texten, die sie auf den Schreibtisch bekommen, viel Herzblut steckt – für das Geschriebene dann Kritik zu bekommen, ist nicht für alle Autor:innen leicht zu verdauen. Deswegen sollten die Anmerkungen immer respektvoll und natürlich konstruktiv sein. Eine professionelle Lektor:in verreißt weder euren Text noch macht sie sich lustig über das Geschriebene. Natürlich darf auch mal ein Augenzwinkern dabei sein, wenn ein besonders verrückter Tippfehler auftaucht. Aber es sollte beim Lektorat definitiv nicht darum gehen, den Text schlechtzumachen, Inhalte zu verbiegen oder einen anderen Stil aufzuzwingen. Denn das ist ebenfalls ein Warnzeichen: Versucht die Lektor:in, den Text umzuschreiben? Das ist alles, aber nicht professionell! Denn das ist wie schon geschrieben nicht der Job einer Lektor:in, sondern einer Ghostwriter:in. Die Lektor:in zeigt lediglich Probleme auf – die Lösungen muss die Autor:in selbst finden. Klar dürfen mal konkrete Vorschläge in den Anmerkungen stehen, aber die sollten nur der Verdeutlichung dienen und nicht als ultimative Lösung präsentiert werden.


Übrigens: Ihr müsst euch bei eurer Lektor:in auch nicht dafür rechtfertigen, wenn ihr manche Vorschläge nicht umsetzen möchtet. Denn es ist und bleibt euer Text und euer Name steht darüber. Die Befindlichkeiten und der persönliche Geschmack eurer Lektor:in spielen dabei keine Rolle.


Welche Preise sind normal?


Vielen bieten Lektorate als Nebenberuf oder sogar als Hobby an. Um überhaupt Aufträge zu bekommen, locken sie mit niedrigen Preisen. Denn wer einen anderen Job als Existenzgrundlage hat und das Ganze ohnehin nur zum Spaß macht, kann es sich auch leisten, für das Lektorat wenig zu verlangen. Aber Achtung: Zwei oder drei Euro pro Normseite für ein Lektorat sind nicht üblich! Lasst euch von solchen Dumping-Angeboten nicht ködern. Denn in der Regel gilt: Das, was man bezahlt, bekommt man auch. Und wer ein Billiglektorat bucht, bekommt dann eben auch ein Billiglektorat ohne entsprechende Sorgfalt. Und mal ehrlich: Wollt ihr wirklich einer Person euren Text anvertrauen, für die das nur ein lustiges Hobby ist? Oder nicht doch lieber einem Profi?


Manchmal werden Billigpreise als besonderes Entgegenkommen für Selfpublisher:innen vermarktet. In meinen Augen fragwürdig: Entweder der Arbeitsaufwand rechtfertigt einen bestimmten Preis oder eben nicht. Wenn man als Lektor:in permanent mit einem Stundensatz arbeitet, von dem man nicht leben kann, dann ist das nicht selfpublisher:innen-freundlich, sondern der sichere Weg in die Insolvenz. Deshalb steckt hinter dem angeblichen Entgegenkommen in aller Regel eine abgespeckte Dienstleistung, die nur deshalb günstiger sein kann, weil sie schlicht nicht den Ansprüchen eines professionellen Volllektorats genügt und die Lektor:in den Zeitaufwand entsprechend geringer kalkuliert.


Ein üblicher Preis für ein Lektorat ist 6 Euro pro Normseite. Ein Euro weniger ist wahrscheinlich auch in Ordnung, ein paar Euro mehr ebenso. Je mehr Kompetenz und Erfahrung die Lektor:in mitbringt, desto teurer wird es sicher sein. Auch 12 Euro pro Normseite sind durchaus vertretbar. Es lohnt sich auch zu schauen, was alles enthalten ist: Ein Durchgang oder zwei? Für zwei Durchgänge wären 5 Euro pro Normseite nämlich schon wieder wenig.


Viele (auch ich) kalkulieren ihre Preise individuell anhand einer Textprobe. Ein Text, der weniger Aufwand bedeutet, bekommt dann vielleicht eher den günstigeren Preis, ein komplexerer Text den teureren. Manche trennen auch Strukturlektorat und Stillektorat voneinander ab und bieten beides getrennt an. Dann kann die einzelne Leistung natürlich auch einmal ein bisschen günstiger sein, aber auch hier solltet ihr bei 2 oder 3 Euro pro Normseite vorsichtig sein – denn das sind übliche Preise für ein Korrektorat. Ein Lektorat sollte eigentlich mehr Aufwand darstellen, muss also auch entsprechend teurer sein.


Wie viele Durchgänge braucht es?


Vielleicht seid ihr hellhörig geworden, als ich von einem oder zwei Durchgängen schrieb. Denn was ist eigentlich normal und was braucht es? Natürlich gilt: Mit zwei Durchgängen seid ihr auf der sicheren Seite. Denn womöglich rutscht im ersten mal etwas durch oder es wird etwas umgeschrieben, das danach nochmal angeschaut werden sollte.


Allerdings gilt natürlich auch: zwei Durchgänge sind teurer als einer. Ob man den zweiten weglassen kann, hängt in meinen Augen sehr stark vom Manuskript ab. Werden nach dem ersten Lektorat nur Formulierungen angepasst oder wird der Text neu strukturiert? In ersterem Fall braucht es den zweiten Durchgang nicht zwingend, in zweiterem wäre er schon sehr sinnvoll.


Wenn ihr also große Änderungen vornehmt, vielleicht auch neue Szenen einfügt oder vorhandene stark umschreibt, lohnt sich ein erneuter Blick. Ich persönlich biete in diesem Fall aber auch ein Teillektorat an: Wenn es ohnehin nur um einzelne Szenen geht, können ja auch nur diese noch einmal lektoriert werden statt teuer das Gesamtmanuskript. Der Kontext, in dem sie stehen, ist ja bekannt.


Letztlich muss jede Autor:in selbst entscheiden, wie sie sich am Ende am wohlsten fühlt und was ihr Budget bzw. ihre Kalkulation hergibt. Deswegen biete ich standardmäßig erstmal nur einen Durchgang an und was danach kommt, wird sich zeigen und ist individuell.


Was tun, wenn das Lektorat zu teuer ist?


Wer mitgerechnet hat, hat sicher bemerkt: 6 Euro pro Normseite bei einem 500-Seiten-Roman macht 3000 Euro insgesamt. Das ist natürlich nicht gerade günstig und muss durch Buchverkäufe erst einmal wieder eingespielt werden. Da ist die Verlockung sicher groß, eben doch zum Billiglektorat für den halben Preis zu greifen. Wenn ihr mich fragt: Tut das nicht. Es gibt andere Methoden, den Preis zu reduzieren.


Wie ich bereits schrieb: Viele Lektor:innen kalkulieren den Preis individuell anhand des Textes. Das heißt: Wenn ihr einen Text vorlegt, der bereits sehr gut überarbeitet, ohne viele Tippfehler, angenehm formatiert ist, bekommt ihr auch einen günstigeren Preis. Eine gute Möglichkeit ist, eurer Manuskript vorher schon von qualifizierten Testleser:innen durchsehen zu lassen. Das sind am besten Schreibkolleg:innen, mit denen ihr eure Manuskripte tauscht.


Aber natürlich, selbst wenn ihr einen Preis von 4 Euro pro Normseite auf 500 Seiten bekommt, sind es 2000 Euro zu bezahlen, also immer noch eine Stange Geld.


Wenn ihr euch das nicht leisten könnt, habt ihr zwei Möglichkeiten, euch trotzdem ein Profi-Feedback für euren Text zu holen und ihn dadurch besser zu machen. Die eine ist ein Gutachten, das viele Lektor:innen anbieten. Da zahlt ihr dann deutlich weniger dafür, dass die Lektor:in eurer Manuskript komplett durchliest und euch eine detaillierte Analyse schreibt, wo die Stärken und Schwächen des Textes liegen. Diese Informationen könnt ihr heranziehen, um euren Text im Nachgang eigenständig noch einmal zu überarbeiten.


Die zweite Möglichkeit ist ein Teillektorat. Denn viele Aspekte, die euch eure Lektor:in im Text anstreicht, kehren häufig wieder. Lasst ihr also 30 Seiten durchlektorieren, könnt ihr hinterher prüfen, ob die angemerkten Aspekte auch in eurem restlichen Text vorkommen und könnt sie dann eigenständig suchen und beheben.


Geht es eher um Spannungsbogen und Struktur, ist das Gutachten der bessere Weg. Geht es um Sprache und Stil, eignet sich das Teillektorat besser. Wenn ihr beides kombiniert, reduziert ihr eure Ausgaben und habt dafür zwar kein ganzes Lektorat bekommen, dafür aber wertvolle Profitipps, die ihr gezielt auf euren Text anwenden könnt.


Wo nach einer Lektor:in suchen?


Und wo findet man nun eine passende Lektor:in? Einfach googeln? Ja, das ist tatsächlich eine Möglichkeit, gegen die nicht das geringste spricht. Googelt also nach einem Lektorat für das passende Genre und seht euch die Leute hinter den vorgeschlagenen Homepages einfach mal an oder fragt ein Probelektorat an. Es ist übrigens nicht verboten, mehrere Lektor:innen gleichzeitig anzuschreiben. Für uns ist das natürlich ärgerlich, wenn wir uns die Mühe mit einem Probelektorat machen und dann den Auftrag nicht bekommen – aber das gehört nun einmal dazu. Angesichts der finalen Kosten ist es durchaus angebracht, hier ein bisschen in Vorleistung zu gehen, finde ich. Das ist in anderen Branchen schließlich nicht anders.


Wenn ihr schon ein wenig in der Literaturszene aktiv seid, stößt ihr bestimmt auch schnell auf die Social-Media-Profile von Lektor:innen oder lernt auf Messen und anderen Veranstaltungen Leute kennen, die Lektorate anbieten. Wenn nicht, könnt ihr auch die Selfpublisher:innen aus eurem Umfeld fragen, bei wem sie ihr Lektorat machen haben lassen (und fragt sie natürlich auch gleich, ob sie zufrieden waren). Oder ihr schaut einfach ins Impressum der (guten) Selfpublishing-Bücher, die ihr im Regal stehen habt. In der Regel ist dort der Name der Lektor:in mit angegeben.


Autor:innenplattformen wie die Bucharena oder Beyond Books listen ebenfalls Lektor:innen. Beide befinden sich noch im Aufbau (Stand 2026). Vor allem Beyond Books versteht sich als Vermittlungsplattformen zwischen Autor:innen und verschiedenen Dienstleister:innen der Buchbranche. Das ist in meinen Augen eine gute Sache und wenn es der Plattform gelingt, sich zu etablieren, wird das vielen Autor:innen die Suche (auch im Bereich Coverdesign, Buchsatz oder Hörbuchsprecher:innen) sicher erleichtern. Auch hier gilt: Nachweisliche Qualifikation ist für die Listung nicht erforderlich, ebenjene bei den zur Auswahl stehenden Kandidat:innen nachzuprüfen, obliegt den Autor:innen selbst.


Eine weitere Möglichkeit ist, sich auf der Seite des VFLL (des Verbands der Freien Lektoren) umzusehen. Um hier gelistet zu werden, muss man eine bestimmte Mindestqualifikation mitbringen, was sicher ein Vorteil ist – die schwärzesten der schwarzen Schafe scheitern an dieser Hürde. Ein Vorteil, keine Garantie, denn wie ich schon schrieb: Eine Bescheinigung über einen Wochenendkurs sagt tatsächlich wenig über die tatsächliche Qualität des Lektorats aus. Findet ihr hier eure Lektor:in, prüft deswegen trotzdem die Qualifikation und verlasst euch nicht auf die Mitgliedschaft an sich. Auch sind durchaus nicht alle Profis automatisch im Verband Mitglied, denn für die Mitgliedschaft ist zu zahlen – das ist ein nicht unbedingt kleiner Kostenpunkt, den jede:r für sich abwägen muss.


Braucht es immer ein Lektorat?


Die Frage werden sich manche sicher gestellt haben. Weil ich geschäftstüchtig bin, muss ich natürlich sagen: Ja, klar, immer und unbedingt! Aber weil ich auch ehrlich bin, beantworte ich die Frage an dieser Stelle ein wenig differenzierter.


Was auf jeden Fall gilt: Ein professionelles Lektorat macht den Text besser. Wer den Anspruch hat, den eigenen Text in bestmöglicher Form auf den Markt zu bringen, kommt daran nicht vorbei.


Je nachdem, auf welchen Niveau der Ausgangstext verfasst ist, geht es im Lektorat aber womöglich um Feinheiten, die vielen Leser:innen gar nicht auffallen. Ob es also ein Lektorat wirklich braucht, hängt sehr von euch und eurer Zielgruppe ab.


Manche Leser:innen konzentrieren sich stark auf Inhalte, andere extrem auf Sprache. In vielen Genres wird es der Mehrheit der Leser:innen nicht auffallen, wie künstlerisch oder auf den Punkt die Sprache ist. Soll das Buch aber einen renommierten Literaturpreis gewinnen, ist Sprache immens wichtig – da geht es um Perfektion! Und diese Perfektion erreicht ihr besser, wenn euch ein Profi mit einem neutralen Blick unterstützt. Will heißen: Manche Zielgruppen verzeihen ein fehlendes Lektorat, andere nicht. Ihr müsst selbst herausfinden, wo genau ihr da unterwegs sein.


Wenn ihr nun nach eurem zwanzigsten Großverlagsroman ins Selfpublishing wechselt, dann habt ihr wahrscheinlich sehr viel Schreiberfahrung, habt bereits Profilektorate hinter euch, könnt einschätzen, wo eure Stärken und Schwächen liegen und was die Zielgruppenerwartungen sind. Höchstwahrscheinlich liefert ihr also einen Text ab, bei dem ein Lektorat weniger intensiv ausfällt, sodass man es womöglich auch weglassen kann, ohne dass es die Mehrheit der Leser:innen bemerkt. Manche Autor:innen machen ohnehin das meiste mit sich selbst aus, andere gehen lieber in den Dialog. Hier müsst ihr entscheiden, welcher Typ ihr seid und wo ihr steht.


Steht ihr gerade vor eurem Selfpublishing-Debüt, würde ich euch unbedingt raten, ein Lektorat in Anspruch zu nehmen. Denn ohne Lektorat werdet ihr niemals wissen, ob euer Text überhaupt veröffentlichungsreif ist – Betriebsblindheit bei den eigenen Manuskripten ist, wie schon geschrieben, komplett normal! Bevor ihr also etwas veröffentlicht, das ihr später bereut, tut euch den Gefallen und lasst mal einen Profi draufschauen. Und wenn es nur in Form eines Gutachtens ist.


Ob es ein Lektorat tatsächlich braucht, hängt also von Zielgruppe, Erfahrung und eigenem Anspruch ab. Ich habe Autor:innen getroffen, die ihr Manuskript auf eigene Kosten lektorieren lassen, obwohl sie es im Großverlag veröffentlichen (wo es dann noch einmal ein Lektorat gibt). Auch das ist eine Entscheidung, die man treffen kann. Wichtig ist, dass man sich am Ende damit wohlfühlt und hinter dem fertigen Buch stehen kann.




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