Metalle zum Verspeisen – High Fantasy mit originellen Magiesystemen
- Kornelia Schmid

- 12. März
- 3 Min. Lesezeit
Magie ist eine geheimnisvolle Kraft, die niemand so genau erklären kann? Manchmal. Manchmal wird Magie in High Fantasy Romanen aber sehr genau erklärt! In diesem Artikel stelle ich euch Bücher und Reihen mit ungewöhnlichen Magiesystemen vor.

In manchen Fantasyromanen gibt es Magie, die wir auf den ersten Blick nicht als Magie erkennen: Weil sie so anders ist als klassisches Zauberstabgeschwinge. Weil sie nichts Geheimnisvolles an sich hat. Weil sie sich auf ganz konkrete Objekte bezieht wie Metalle oder Steine. Oft ist das Worldbuilding in solchen Büchern vollkommen auf das Magiesystem ausgerichtet – und dadurch entstehen unerwartete Konflikte.

Geht es um originelle Magiesysteme, kommt man an Brandon Sanderson kaum vorbei. In der "Nebelgeborenen-Reihe" entsteht Magie aus Metallen. Bestimmte Metalle können von bestimmten begabten Menschen geschluckt und für eine bestimmte Art von Zaubern benutzt werden. Jedes Metall hat dabei nur eine einzige Wirkung: Wegdrücken und Wegziehen von Eisen gehört ebenso dazu wie Gefühle zu besänftigen oder Aufzuwiegeln. Im ersten Moment mag das ziemlich abstrakt klingen, aber meine Leseerfahrung ist: Wenn man sich erst einmal auf die Welt eingelassen hat, wirkt es schnell absolut natürlich, Metalle zu schlucken.

Auch Sandersons andere große Reihe muss genannt werden. In den "Sturmlicht-Chroniken" gibt es dem Namen entsprechend magische Stürme, die eine Art Kristall zum Leuchten bringen. Darüber hinaus ist die Welt bevölkert von kleinen, leuchtenden Sprengseln – Geistwesen, die Naturereignissen ebenso zugeordnet werden wie Emotionen. Ein wenig wild ist das in meinen Augen schon, weswegen ich die konsistentere "Nebelgeborenen-Reihe" persönlich tatsächlich lieber mag. Das soll aber nicht heißen, dass sich der Blick hier nicht lohnt, denn eine vielschichtige Welt findet man in den Romanen auf jeden Fall.

Und weil's so schön ist, noch ein Sanderson: In "Weit über der smaragdgrünen" See beinhalten sogenannte Sporen die Magie. Sie rieseln von verschiedenen Monden auf die Welten und sind so zahlreich, dass sie Meere bilden, die mit Schiffen befahren werden. Das ist jedoch weder einfach noch unbedingt anzuraten: Jede Sporenfarbe hat eine besondere Wirkung, die mehr oder minder gefährlich für Menschen ist. Die titelgebende smaragdgrüne See beispielsweise besitzt die Eigenschaft, sich bei Kontakt mit Wasser (wie Schweiß) in ein riesiges Pflanzendickicht umzuwandeln. Man stelle sich vor: Ein einziger Tropfen berührt eine winzige Spore und in Sekundenschnelle verwandelt sich diese in eine gewaltige Ranke. Da möchte man besser nicht in der Nähe sein. Dieses moderne Märchen lohnt sich auf jeden Fall zu lesen.

In Brent Weeks "Licht-Saga" dreht sich alles um Licht. Wer im Physikunterricht gut aufgepasst hat, weiß, dass weißes Licht eigentlich aus verschiedenen Farbwellen besteht. In den Romanen können Magiebegabte diese Farben in feste oder flüssige Stoffe umwandeln. Doch das hat seinen Preis: Je mehr Farben jemand "wandelt", desto mehr bleiben davon als Ablagerungen im Körper zurück. Und weil jede Farbe auch mit bestimmten Gefühlen verbunden ist, führt das letztlich zum Wahnsinn. Das Magiesystem ist komplex, aber absolut schlüssig und weist viele Facetten auf, die in der Romanreihe nach und nach offengelegt werden.

In Brian McClellans "Powdermage-Chroniken" können Menschen mit einer bestimmten Begabung Schießpulver zu sich nehmen (ganz ähnlich wie sie das in den "Nebelgeborenen-Romanen" mit Metallen tun). Die dadurch entstehender Pulvertrance schärft dann ihre Sinne. Zusätzlich können sie nahegelegenes Schießpulver spüren und explodieren lassen. Das hat natürlich einen großen Einfluss auf die Kriegsführung, um die es in den Romanen wesentlich geht. Die Bücher spielen entsprechend in einem Setting, in dem Schießpulver auch zum Alltag gehört (weg vom Mittelalter, hinein ins 19. Jahrhundert).

"Jade City" von Fonda Lee kombiniert ein asiatisches Setting mit einer Mafiathematik und dann spielt das Ganze auch noch in einer dem 20. Jahrhundert angeglichenen Zeit. Schon in dieser Hinsicht ist der Roman originell, aber auch das Magiesystem ist interessant. Begabte können hier mit Hilfe von Jade ihre Sinne schärfen und besondere Fähigkeiten wie Schnelligkeit und Körperkraft entwickeln. Sich an Jade zu gewöhnen dauert, zu viel davon zu tragen, hat schnell negative Folgen. Die Menschen lernen deshalb auch jahrelang Disziplin an einer speziellen Schule. Die Verwendung von Jade ist eng mit der Gesellschaftsordnung verknüpft und als nun eine Droge auf den Markt kommt, die Jadekräfte für jeden verfügbar machen kann, sind diese Strukturen natürlich gefährdet. Für meinen Geschmack erzählt der Roman manches zu langsam und langwierig, doch das muss nicht heißen, dass sich der Blick hinein nicht lohnt.

In Kritika H. Raos "The Surviving Sky" gibt es einige magiebegabte Menschen, sogenannte Architekten, die mittels "Trajektion" Pflanzen beeinflussen können. Diese Pflanzenmagie sichert das Überleben: Sie ermöglicht es, Pflanzenstädte schweben zu lassen. Die Menschen leben inmitten dieser sich ständig verändernden Architektur und fliehen dadurch vor gefährlichen Erdstürmen am Boden. Hinter der Magie steckt jedoch mehr, als die Menschen zunächst ahnen. Das Magiesystem ist dabei eng verknüpft mit indischer Mythologie – ein komplexes Feld, das den meisten Leser:innen nicht unbedingt bekannt sein dürfte. Das muss es aber auch nicht. Auch ohne entsprechende Kenntnisse kann man sich gut in diese Pflanzenwelt einfinden.




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