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Während ich schreibe – Konjunktionen sinnvoll verwenden

Aktualisiert: 27. Apr.

Lasst uns über Konjunktionen reden. Ihr denkt, Konjunktionen sind Details? Falsch! Die Wahl der richtigen Konjunktion kann die Wirkung eines Satzes dramatisch verändern. In diesem Artikel stelle ich euch die Fallstricke vor.


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Wenn wir über Konjunktionen sprechen, bedeutet das, auf Wortebene übers Schreiben zu sprechen. Manchen mag das mühsam erscheinen – in meinen Augen zählt aber definitiv jedes Wort! Denn wenn man einfach alles eben mal schnell runterschreiben könnte, ohne sich dabei mit den einzelnen Wörtern zu beschäftigen, wären sämtliche Schreibratgeber, Kurse und Seminar vollkommen überflüssig. Schreiben ist die Kunst, die richtigen Wörter zu verwenden (oder meinetwegen auch die falschen, aber richtig!). Und in diesem Kontext könnte ich auch über Verben schreiben, über Adjektive oder Füllwörter. Aber weil ich vermute, dass Schreibende sich über Füllwörter tendenziell mehr Gedanken machen als über Konjunktionen, gebe ich letzteren eine Bühne.


Inhalt



Was sind Konjunktionen?


Konjunktionen sind kleine Wörtchen, die Satzteile verbinden. Das können sowohl Hauptsätze als auch Nebensätze sein. Je nachdem, was davon der Fall ist, ordnet man eine Konjunktion in eine andere Kategorie ein. Hauptsätze könnten auch für sich stehen, Nebensätze nicht und haben oft ein Verb am Ende.


Oft ist die Konjunktion das Wörtchen nach dem Komma. Das gilt vor allem, wenn (Achtung Konjunktion!) ein Nebensatz verbunden wird. "dass" ist ebenfalls ein berühmtes Beispiel. Bei Konjunktionen, die Hauptsätze verbinden (wie "oder"), sind Kommas oft fakultativ, aber (!) um Kommasetzung soll es hier nicht gehen.


Zwei Hauptsätze verbinden


Am Anfang eine "gute" Konjunktion: Das Wörtchen "und". Seid ihr überrascht? Denn auf den ersten Blick ist "und" ja ziemlich plump. Der Vorteil an "und": "und" verbindet immer zwei Hauptsätze und (merkt ihr's?) Hauptsätze sind einfach lesbar.


Sie schwang ihr Schwert. Dann stach sie zu.


Oder eben:


Sie schwang ihr Schwert und dann stach sie zu.


Was davon die bessere Wahl ist, hängt von eurer Intention und sicher auch vom Rhythmus ab. Mit Konjunktionen, die Hauptsätze verbinden, insbesondere "und" könnt ihr also treiben, was ihr wollt. Und (ihr seht's, oder?) ich stelle das kleine Verbindungswörtchen sogar gerne mal an den Satzanfang. Wenn ich betonen möchte, dass eine Figur einen bestimmten Schluss etwas verzögert zieht, beispielsweise.


Nebensätze verbinden?


Konjunktionen wie "weil", "bevor" oder eben das in der Überschrift genannte "während" verbinden einen Hauptsatz mit einem Nebensatz. Man nennt sie "unterordnende Konjunktionen", weil (raffiniert, oder?) sie allein nicht funktionieren. Vielmehr präzisieren sie den Hauptsatz. Dabei können sie unterschiedliche Funktionen besitzen.


Sie schwang ihr Schwert, weil sie zornig war. (Die Konjunktion liefert eine Begründung.)


Sie schwang ihr Schwert, bevor sie darüber nachdenken konnte. (Die Konjunktion drückt eine zeitliche Reihenfolge aus.)


Sie schwang ihr Schwert, während sie vorstürmte. (Die Konjunktion drückt eine Gleichzeitigkeit aus.)


Diese Sätze sind nun komplexer als simple Hauptsätze und damit schwerer zu lesen. In meinen Beispielen nicht sonderlich viel schwerer, aber immerhin. Im Prinzip muss das erstmal nichts Verkehrtes sein, denn (Achtung, Hauptsatz!) eine gewisse Komplexität darf man Leser:innen durchaus zumuten. Außerdem würde ein Text, der nur aus Hauptsätzen besteht, furchtbar klingen.


Show don't tell


Aber wo ist das Problem? Warum muss man dann überhaupt über Konjunktionen nachdenken? Man muss es, weil jedes noch so kleine und scheinbar selbstverständliche Wörtchen eine andere Wirkung erzeugt. Nehmen wir doch Satz Nummer 1:


Sie schwang ihr Schwert, weil sie zornig war.


Habt ihr schonmal von "Show don't tell" gehört? Wenn ihr euch schon ein bisschen mit Schreiben beschäftigt habt, bin ich sicher, ihr habt es. Falls nicht: Bei diesem Prinzip geht es darum, Leser:innen nicht mit Erklärungen zu langweilen und durch Interpretationen zu bevormunden, sondern ihnen direkte Handlungen zu zeigen und es ihnen dadurch zu ermöglichen, eigene Schlüsse zu ziehen und näher am Text und der Figur zu bleiben. Der hier dargestellte Nebensatz ist natürlich astreines "Tell". Die Figur ist zornig. In manche Texte mag es passen, das einfach so hinzuschreiben. Ganz häufig profitieren Texte aber durch bildhaftere Darstellungen. Anstatt "Sie war zornig" könnte man auch schreiben "Hitze schoss ihr in den Kopf" oder "Sie biss die Zähne zusammen". Was würde das mit unserem Satz machen?


Sie schwang ihr Schwert, weil ... ihr Hitze in den Kopf schoss?


Offensichtlich funktioniert die Konstruktion nicht mehr, wenn man "Show" statt "Tell" anwendet. Natürlich nicht, wie sollte sie auch? Das Wörtchen "weil" liefert eine Begründung. Begründungen geben bestimmte Interpretationen vor. Begründungen sind genau das Gegenteil von "Show"! Und schon wird dieser Konjunktion unattraktiv für alle, die mitreißende Szenen schreiben möchten.


Informationen priorisieren


Das war der Spezialfall "Begründungen". Aber gibt natürlich eine Vielzahl von anderen Funktionen, die man nicht einfach so abtun kann wie die Kausalverknüpfung aus dem Beispiel. Wichtig ist deshalb für euch als Autor:innen, dass ihr euch immer fragt, welche Funktion die Konjunktion gerade hat und ob es die wirklich braucht. Zurück zu meinem Beispiel:


Sie schwang ihr Schwert, während sie vorstürmte.


Lest diesen Satz und stellt euch das Bild dazu vor. Sie schwingt ihr Schwert. Und sie stürmt vor. Nein, sie stürmt nicht erst danach vor. Sie stürmt schon während sie ihr Schwert schwingt vor. Aber das wusstet ihr noch nicht, als ihr den ersten Satzbestandteil gelesen habt. Vielleicht habt ihr euch nur das Schwertschwingen vorgestellt und dann erst gemerkt, dass da ja noch ein Stürmen hinzugefügt werden muss. Die Bewegung ist dann schließlich eine andere: Schwingen und Stürmen zugleich! Vermutlich wehen die Haare.


Ihr ahnt, worauf ich hinauswill: Gleichzeitigkeit ist schwer vorstellbar, schon allein deswegen, weil gleichzeitige Handlungen eben nicht gleichzeitig dastehen. Nun könnt ihr euch fragen: Wie wichtig ist die Gleichzeitigkeit denn? In meinem Beispiel würde ich sagen: Komplett verzichtbar! Es ist völlig unwichtig, ob sie erst ihr Schwert schwingt und dann stürmt oder umgekehrt oder gleichzeitig oder wie auch immer. Und deswegen müssen wir das Bild auch nicht überladen, indem wir eine Information (nämlich die Gleichzeitigkeit) hinzufügen, die es gar nicht braucht und die im schlimmsten Fall für Verwirrung sorgt und dadurch den Lesefluss bremst. Der Satz funktioniert folgendermaßen sehr viel besser:


Sie schwang ihr Schwert und stürmte vor.


Ganz einfach und trotzdem effektiv. (Womit wir wieder beim Nutzen des Wörtchen "und" wären.) Zur Abgrenzung nun aber noch ein Beispiel, wo die Gleichzeitigkeit durchaus relevant wäre:


Sie schwang ihr Schwert, während am anderen Ende des Schlachtfeldes ihr Erzfeind einen Pfeil auflegte.


Die Gleichzeitigkeit ist hier wichtig, weil sie eine unmittelbare Bedrohung für die Figur erzeugt. Denn wenn der Typ den Pfeil erst danach auflegt, hat sie einen Vorsprung. Wenn er ihn gleichzeitig auflegt, dann lässt er ihn im nächsten Moment fliegen und unsere Schwertschwingerin bekommt ein mächtiges Problem bei ihrem nächsten Move.


Ein solcher Satz funktioniert in der Regel nicht, wenn ihr streng aus einer Perspektive erzählt. Dieser Trick klappt also nur, wenn er tatsächlich zu eurem Erzählstil passt. Es gilt also wie immer: Gut überlegen und bewusst einsetzen oder eben streichen. Übrigens:


Sie schwang ihr Schwert, als die Erde bebte.


"als" drückt hier genau wie "während" eine Gleichzeitigkeit aus – mit derselben Problematik. Allerdings kann man "als" durchaus auch als Anzeigen einer Abfolge verstehen:


Als die Erde bebte, verstand sie.


Die Erde bebt und das löst bei ihr Verstehen aus. Da hätte ich nichts dagegen, zumal solche Formulierungen im Text ja durchaus mal etwas Abwechslung reinbringen können und dafür auch ihre Berechtigung haben. Allerdings kann man sich natürlich fragen, ob die Alternative nicht eleganter wäre:


Die Erde bebte und sie verstand.


Es ist sicher eine Stil- und Abwägungsfrage und hängt natürlich immer vom Gesamtkontext ab, in dem eben auch Formulierungen im direkten Umfeld oder Rhythmus und Klang relevant sind.


Vorsicht bei zeitlichen Abfolgen


Wie sieht's aus mit Konjunktionen wie "bevor" oder "nachdem"? Auch hier haben wir zeitlichen Abfolgen, wenn auch keine Gleichzeitigkeit. Also:


Sie schwang ihr Schwert, bevor sie darüber nachdenken konnte. 


Okay, sie denkt also nicht darüber nach. Wenn sie nicht darüber nachdenkt, warum steht da überhaupt dieser Satz? Wie ordnen wir eine Nicht-Information ein? Wenn sie es nicht weiß, wie kann es dann in ihrer Perspektive hier stehen? Aber gut, lassen wir das Nicht-Denken mal außen vor. Sie denkt also nicht, bevor sie ihr Schwert schwingt. Wann genau? Wir lesen vom Schwertschwingen, aber das Nicht-Denken war davor. Jetzt haben wir uns das Schwertschwingen schon vorgestellt, müssen in der Zeitebene aber nochmal zurück und die Vorstellung dahingehend korrigieren, dass etwas vorher stattgefunden hat. Im Prinzip haben wir also wieder dasselbe Problem wie bei "während": Ein bereits beschriebenes Bild muss revidiert werden, indem eine Vorzeitigkeit (oder eben Gleichzeitigkeit) nachgeliefert wird. Nicht wirklich gut.


Sie schwang ihr Schwert, nachdem sie ausgewichen war.


Igitt, Vorvergangenheit! Das Plusquamperfekt ist sowieso schon unschön, weil es immer ein Hilfsverb ("war" oder "hatte") benötigt. Das ist eine Tempusform, die einen Text unnötig aufbläht und anstrengend zu lesen ist. Man sollte ihr also ohnehin besser ausweichen. Und dann auch noch mit "nachdem"? Es ist genau wie bei "bevor". Eine Vorzeitigkeit wird nachgeliefert. In der Vorstellung der Leser:innen kollidiert das schnell mal.


Die Dosis macht das Gift


Auch wenn viele Konjunktionen ihre Berechtigung haben: Wenn ein Text damit vollgestopft ist, kann es irgendwann anstrengen, ihn zu lesen. Vielleicht ist das genau eure Absicht: Vielleicht wollt ihr eure Leser:innen herausfordern und an ihre Grenzen bringen. Vielleicht wollt ihr ein sprachliches Arrangement schaffen, das seinesgleichen sucht und habt einen unvergleichlichen Erzählstil geschaffen, der Konjunktionen als Wunderwaffe nutzt. Möglich ist das natürlich durchaus – sonst gäbe es ja keine Kunst. Viele berühmte Texte der Weltliteratur sind nicht ganz einfach zu lesen und arbeiten auch mit Nebensatzkonstruktionen.


Die Realität ist aber auch, dass diese Texte im 21. Jahrhundert nicht mehr den Publikumsgeschmack treffen. Sie haben Liebhaber:innen, aber viele würden heutzutage Verlagsabsagen kassieren und sicher nicht auf Bestsellerlisten landen. Na gut, viele waren auch zu ihrer Erscheinungszeit keine Bestseller. Denn Bestseller sind nicht automatisch die Art von Literatur, die überdauert. Aber ich unterstelle den allermeisten Schreibenden trotzdem, dass sie vorhaben, ein Publikum zu erreichen, das sich nicht nur an einer Hand abzählen lässt. Und dafür ist es notwendig, so zu schreiben, dass ein Text zumindest bis zu einem gewissen Grad zugänglich bleibt.


Stellt den Leser:innen Hürden, wenn ihr mögt – aber stellt sie bewusst und überschwemmt euren Text nicht derart damit, dass er unleserlich wird ("dass", um nochmal darauf zurückzukommen, funktioniert tendenziell gut, weil [ich verrate euch die Begründung jetzt einfach] diese Konjunktion eine Folge ausdrückt – das ist für Leser:innen leicht verdaulich). Es gilt also wie so oft: Die Dosis macht das Gift.




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