Skurrile Wesen: Der Mokele-Mbembe
- Kornelia Schmid

- 13. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Ihr kennt Elfen, Einhörner, Drachen – aber kennt ihr auch den Mokele-Mbembe? Dieses mythische Tier stammt aus dem Kongo und ist in gewisser Weise ein Verwandter des berühmten Monsters von Loch Ness. Hier erfahrt ihr alles, was ihr darüber wissen müsst.

Für meine Geschichte "Der wispernde Schacht", die es in meiner Kurzgeschichtensammlung "Kristallstarre" zu lesen gibt, wollte ich ein afrikanisches Setting wählen. Also habe ich mich auf die Suche begeben nach mythischen Wesen aus Afrika, die mir als Inspiration dienen könnten. Hängen geblieben bin ich schließlich am Mokele-Mbembe. Dieses saurierartige Wesen ist kein Fabelwesen im klassischen Sinne. Denn es gibt Berichte von ganzen realen Mokele-Mbembe-Sichtungen. Bis heute suchen Kryptozoologen (dazu gleich mehr) nach Beweisen für oder gegen die Existenz dieses Wesens.
Das Monster von Loch Ness
Um zu verstehen, was es mit dem Mokele-Mbembe auf sich hat, möchte ich zuerst über ein berühmteres, aber durchaus vergleichbares Wesen berichten: Das Monster von Loch Ness. Nessie ist ebenfalls ein Wesen, dessen Existenz (bzw. Nicht-Existenz) bis heute umstritten ist. Bei Einhörnern würden die meisten Menschen inzwischen davon ausgehen, dass sie ausschließlich im Reich der Mythen beheimatet sind und wir sie in unserer Welt nicht mehr finden werden. Will heißen: Einhörner sind anerkanntermaßen Fantasy. Aber Nessie? Für manche ist Nessie Fantasy. Für andere nicht. Denn immer wieder tauchen Berichte von Sichtungen des Monsters auf – und immer können keine endgültigen Beweise gefunden werden.
Die Kryptozoologie
Es gibt eine Pseudowissenschaft, die sich ausschließlich mit Tieren befasst, deren Existenz umstritten ist: die Kryptozoologie. Kyptozoolog:innen spüren den Wesen nach, die man aus Legenden oder Augenzeugenberichten kennt, deren Existenz aber (bis jetzt) nicht belegt werden konnte. Derartige "Kryptiden" (so werden diese geheimnisvollen Tierarten genannt) sind neben dem Ungeheuer von Loch Ness beispielsweise auch Werwölfe oder eben der genannte Mokele-Mbembe.
Eine Idee der Kryptozoologie: Die beschriebenen Tiere gehören in Wirklichkeit einer durchaus belegten Art an, die aber als ausgestorben gilt. So wurde das Monster von Loch Ness als Plesiosaurus, ein Wassersaurier, interpretiert. Würde man Nessie also finden, würde man damit nicht unbedingt beweisen, dass es eine neue Tierart gibt, aber durchaus, dass eine sehr alte entgegen der gängigen Annahme bis heute überlebt hat.
Eine Saurierart
Ähnlich wie bei Nessie wurde auch der Mokele-Mbembe als Saurier interpretiert: als pflanzenfessender, langhalsiger Sauropod, ähnlich dem Brachiosaurus oder Brontosaurus, die heute zumindest Dinofans ein Begriff sein dürften.
So darf man jedenfalls mein Aufhängerbild verstehen: Der Mokele-Mbembe als Saurier. Allerdings entspricht ganz vieles, was das Bild zeigt, nicht der gängigen Beschreibung dieses Tieres: Der Mokele-Mbembe soll tatsächlich einen langen Schwanz und langen Hals (wohl länger als in der Abbildung) haben, er soll etwa so groß wie eine Elefant sein, seine Füße sollen denen von Flusspferden ähneln (was definitiv nicht zu der Zehendarstellung in meinem Bild passt). Sein Kopf soll recht klein sein und seine Haut braun, manchmal eher in Richtung grau oder auch rot. Wie typische Sauropoden wird der Mokele-Mbembe als Pflanzenfesser verstanden, der aber Menschen angreift und tötet, wenn sie in sein Revier eindringen.
Soweit, so normal. Jetzt kommen aber ein paar Merkmale, die wir vielleicht nicht unbedingt mit Dinosauriern in Verbindung bringen.
Ein leuchtendes Horn?
Der Schwanz des Mokele-Mbembe soll so scharf sein, dass er damit einen Vogelstrauß durchschneiden kann. Das ist schon ein bisschen merkwürdig. Noch merkwürdiger ist aber, dass der Mokele-Mbembe ein leuchtendes Horn auf der Stirn haben soll.
Ein leuchtendes Horn? Ist der Mokele-Mbembe also ein Glühwürmchen? Unwahrscheinlich. Da steckt etwas anderes dahinter. Für mich war das jedenfalls der Aufhänger für meine Geschichte: Ein leuchtendes Horn muss doch etwas mit Magie zu tun haben.
Tatsächlich wird der Mokele-Mbembe in seiner Heimatregion von den Einheimischen oft nicht als reales Tier, sondern als Geist oder Energie interpretiert, die in Verbindung mit dem Fluss steht. Der Mokele-Mbembe wäre damit kein Saurier, sondern ein Naturgeist. Eine mythologische Verankerungen können wir also durchaus annehmen, auch wenn die Zeit vieles umgeformt haben dürfte.
Augenzeugenberichte
Pygmäenstämme aus dem Kongobecken kennen den Mokele-Mbembe und seinen Ruf. Sie kennen auch die Geschichte von Fischern, deren Kanus von dem Mokele-Mbembe angegriffen wurden. Vergleichbares erzählt auch eine Expedition französischer Händler aus dem Ende des 19. Jahrhunderts: 9 von 12 Kanus soll das Wesen vernichtet haben, viele Menschen starben. Offiziell durch Nilpferde oder Krokodile. Oder ... doch einen Dinosaurier?
Schriftlich erwähnt wird der Mokele-Mbembe erstmals 1776 von einem französischen Missionar im Kongo. Im 20. Jahrhundert gibt es dann eine ganze Reihe von Berichten über den Mokele-Mbembe. Sogar eine 15-sekündige Videoaufnahme ist mit dabei. Die Qualität ist allerdings so schlecht, dass man nicht genau sagen, ob das langhalsige Wesen, dass darauf zu sehen ist, tatsächlich der Mokele-Mbembe oder nicht vielleicht doch eine Pythonschlange ist. 2006 gab es tatsächlich eine kryptozoologische Expedition, bei der ein angeblicher Fußabdruck des Mokele-Mbembe gefunden wurde (davon wurde sogar ein Gipsabdruck angefertigt). Googelt man oder sucht man bei Youtube nach dem Wesen, sieht man, dass auch heute noch viele Menschen nach ihm bzw. den Beweisen seiner Existenz suchen.
Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich bei den Sichtungen in Wirklichkeit um Krokodile, Flusspferde, Nashörner oder auch ganz andere, vollkommen normale in der Region heimische Tiere gehandelt hat. Aber die Idee, dass irgendwo dort draußen noch ein (vielleicht magischer) Saurier herumläuft, ist natürlich reizvoll.
Der Mokele-Mbembe in einer Fantasywelt
Wenn ihr Lust auf meine Interpretation habt, schaut gerne in meine Kurzgeschichtensammlung "Kristallstarre". Mein Mokele-Mbeme aus "Der wispernde Schacht" versteckt sich jedenfalls im Dschungel, ist durch und durch magisch und vielleicht gar nicht so aggressiv, wie gerne erzählt wird. Die Geschichte hat damit absolut gar nichts mit Kryptozoologie zu tun. Dafür aber viel mit Fantasy, Hexen und Zaubern.





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