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Warum man Selfpublishing (nicht) machen sollte

Früher hatte ich den Traum vom Großverlag. "Früher", das war vor über fünfzehn Jahren. Damals stand das moderne Selfpublishing am Anfang und die typischen Bücher, die man aus diesem Bereich kannte ... nun, die haben wir inzwischen wohl zu Recht vergessen. Doch die Zeiten haben sich geändert.


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Vor- und Nachteile verschiedener Veröffentlichungswege


Wer heute ein Buch veröffentlichen will, hat im Wesentlichen drei Möglichkeiten: Großverlag, Kleinverlag und Selfpublishing.


Großverlag: In großen Verlagen arbeiten Profis. Die Bücher, die dort erscheinen, stehen regelmäßig in Buchhandlungen und haben schon dadurch eine hohe Reichweite. Auch wird hier bei Veröffentlichungen in der Regel ein Marketingbudget eingeplant. Autor:innen erhalten Vorschüsse. Allerdings: Beim Großverlag landen nur diejenigen Geschichten, die aktuelle Trend bedienen oder Trendsettingpotenzial besitzen. (Zu) unkonventionelle Bücher sind nicht gefragt. Gesellschaftskritische Töne spielen nur dann eine Rolle, wenn das Genre das Verlag. Ansonsten ist die Message egal. Denn hier geht es ausschließlich um Wirtschaftlichkeit.


Kleinverlag: Unabhängige Verlage werden oft als Hobby, dafür aber mit Herzblut betrieben. Hier kann man mit unkonventionellen, aber gesellschaftlich relevanten Themen punkten. Viele Kleinverlage fördern beispielsweise Diversität in der Literatur oder zeigen unterschiedliche Facetten von Queerness, die auf dem Massenmarkt weitgehend unsichtbar bleiben. Auch lehnen viele Kleinverlage ausdrücklich Manuskripte mit beispielsweise der Romantisierung von toxischen Beziehungen ab (trotz hervorragender Verkäuflichkeit!). Allerdings: Idealismus hin oder her, die Produkte (also die Bücher) sind nicht immer professionell. Cover haben eine durchwachsene Qualität, das Lektorat wird selten von Profis übernommen, Marketing findet oftmals gar nicht statt oder ausschließlich im Rahmen von kostenlosen Instagramposts. Die Budgets sind klein, die Verkaufszahlen auch. Autor:innen erhalten hier weder einen Vorschuss noch verdienen sie überhaupt nennenswert an ihren Büchern.


Selfpublishing: Hier ist alles möglich. Die meisten Selfpublishing-Bücher sind Ladenhüter, die niemand kennt. Einige sind aber auch Bestseller und entsprechend sehr erfolgreich. Von absolut nicht veröffentlichungsreifen und grauenvoll gestalteten Machwerken bis zu hochwertigen Profi-Produkten ist alles dabei.


Die Vorteile von Selfpublishing


Ihr ahnt es bereits: Die Vorteile des Selfpublishings haben alle auch einen Haken. Es gibt kaum einen Vorteil, der nicht einen Nachteil birgt. Was überwiegt, ist zum Teil Glück, zum Teil auch einfach Typfrage: Manche Autor:innen fühlen sich wohler mit einem Verlag im Rücken, andere haben gerne alle Fäden selbst in der Hand, wieder andere rechnen sich die Wirtschaftlichkeit beider Modelle einfach aus. Wenn es um die Frage geht: Selfpublishing Ja oder Nein? Dann hängt die Antwort entschieden davon ab, welche Erwartungen ihr habt, was ihr bereit seid zu investieren (damit meine ich sowohl Geld als auch Zeit) und wie risikobereit ihr seid.


Kreative Freiheit


Im Selfpublishing genießen Autor:innen vollkommene kreative Freiheit. Das ist im Kleinverlag nicht selbstverständlich – in großen Verlagen undenkbar. Denn in großen Verlagen geht es nicht darum, ein tolles Buch auf den Markt zu bringen, sondern ein verkäufliches Buch. Das führt manchmal zu irreführenden Covern, Titeln oder Klappentexten, wenn die Marketingprofis davon ausgehen, dass diese die Verkaufschancen erhöhen. Es ist durchaus üblich, dass Großverlage beispielsweise Buchtitel ändern, ohne den Autor:innen dabei ein nennenswertes Mitspracherecht einzuräumen. Will heißen: Wenn sich "Sexy Hot Fire Dragons" voraussichlich besser verkauft als "Die Drachen der Feuerberge", bekommt ihr als Autor:in den peinlichen neuen Titel einfach aufs Auge gedrückt, ob ihr wollt oder nicht. Dazu gibts keine epische Illustration, sondern muskelbepackte Männerkörper auf dem Cover. Euer Vorteil dabei ist, dass sich euer Buch womöglich so tatsächlich besser verkauft und ihr mehr daran verdient. Hurra. Wenn ihr Pech habt, geht das Ganze nach hinten los. Ist auch schon vorgekommen.


Im Selfpublishing wird euch niemand verbiegen. Wenn euch das Lektorat Änderungen vorschlägt, die euch nicht passen, lehnt ihr sie ab. Wenn euch das Coverdesign nicht gefällt, beauftragt ihr ein neues. Der Nachteil: Wer die Kreativität ausreizt, erzeugt womöglich ein Produkt mit geringerer Marktkonformität. Das kostet euch Reichweite und Verkäufe. Wenn euch das egal ist, ist die Freiheit im Selfpublishing aber sehr wertvoll. Denn dann realisiert ihr euer Herzenprojekt so, wie ihr es euch wünscht und könnt dann auch zu 100 Prozent dahinterstehen.


Vorteil: Selfpublishing bietet die volle kreative Freiheit bei der Bucherstellung.


Nachteil: Manche kreativen Entscheidungen können die Verkäuflichkeit beeinträchtigen.


Qualitätsanspruch durchsetzen


Auch "Qualität" ist ein Stichwort, das hier fallen muss. In Großverlagen arbeiten beispielsweise im Lektorat Profis, entsprechend hochwertig ist dieses. Wenn es denn eines gibt! Der Trend geht auch bei Großverlagen (natürlich zielgruppen- und genreabhängig) immer mehr zur Verknappung. Will heißen: Manchmal gibt es kein Lektorat mehr oder ein oberflächliches, um Kosten zu sparen. Illustrationen stammen immer öfter von der KI, mit entsprechenden Qualitätseinbußen. Im Durchschnitt also dürfte die Qualität bei Großverlagen hoch sein, Garantien gibt es aber nicht und meine persönliche Prognose für die Entwicklung in naher Zukunft ist in dieser Hinsicht auch nicht unbedingt optimistisch.


Auch im Kleinverlag müsst ihr nehmen, was ihr bekommt. Und wie ich bereits schrieb: In vielen Fällen sitzen hier keine Profis, die für diese Tätigkeit tatsächlich ausgebildet wurden. Wenn euer Kleinverlag also nun einmal kein Geld für ein hochwertiges Lektorat hat, bekommt ihr auch keines. Dasselbe gilt natürlich fürs Cover: Entschließt sich eure Verleger:in, Cover lieber selbst zu gestalten, als ausgebildete Grafikdesigner:innen zu beauftragen, dann werdet ihr mit dem Amateurgewand, das euer Buch bekommt, nun einmal leben müssen. Wie man beispielsweise das Coverdesign an der Zielgruppe ausrichtet und dadurch die Verkaufschancen erhöht, wird meiner Erfahrung nach ebenfalls selten bedacht. Oft zählt nur, ob das Cover "schön" ist, nicht, ob es tatsächlich Verkäufe generiert.


Im Selfpublishing habt ihr in der Hand, in welcher Qualität euer Text und euer Buch generell erscheint. Ihr entscheidet, wer euer Lektorat macht, wer euer Cover, ob ihr den Buchsatz beauftragt usw. Auf diese Art und Weise bleiben manche Selfpublishingbücher sehr roh, andere erscheinen sehr hochwertig. Der Nachteil ist neben den durchaus hohen Kosten für die entsprechenden Dienstleistungen auch, dass vielen Selfpublisher:innen Netzwerk und Know-how fehlen. Denn woran sieht ein Laie überhaupt, ob ein Cover professionell ist oder nicht, ob es verkäuflich ist? Woran erkennt man, ob eine Lektor:in etwas von ihrem Handwerk versteht oder nicht? "Coverdesigner" ist ebenso wie "Lektor" keine geschützte Berufsbezeichnung und leider tummeln sich hier viele schwarze Schafe, die wenig Ahnung von Gestaltung bzw. von Sprache und Literatur haben. Oft erkennt ihr sie (neben fehlenden Nachweisen des fachlichen Hintergrunds) an den Spottpreisen ihrer Angebote: 100 € für ein Cover ist zu wenig! 2,50 € pro Normseite im Lektorat ebenfalls! Als Richtwert: Hochwertige Cover (E-Book + Print) kosten aktuell ab rund 300 € aufwärts, bei gefragten Designer:innen kommt ihr auch mal bei 1000 € raus. Ein ernstzunehmendes Lektorat kostet mindestens 5 € pro Normseite (entspricht 1500 Zeichen mit Leerzeichen), aber auch 10 € sind durchaus noch üblich. Aber das ist wahrscheinlich ein Thema für einen anderen Artikel.


Fakt ist: Habt ihr einen hohen und unbedingten Qualitätsanspruch, könnt ihr ihn nur im Selfpublishing sicher durchsetzen. Im Großverlag wird er wahrscheinlich erfüllt (vielleicht aber auch nicht), im Kleinverlag womöglich (vermutlich aber nicht).


Vorteil: Der eigene Qualitätsanspruch ist im Selfpublishing zu 100 Prozent durchsetzbar.


Nachteil: Qualität ist nicht bei allen Dienstleister:innen nachprüfbar und außerdem teuer.


Das liebe Geld


Professionelles Selfpublishing ist teuer. Bei der Erstellung eines Buches fallen neben dem Schreiben eine Vielzahl an Arbeiten an. Dazu gehören Lektorat und Korrektorat, Cover und Buchsatz, Marketing und Social Media. All diese Aufgaben allein vollumfänglich stemmen kann niemand – weil es überhaupt nicht möglich ist, in allem Profi zu sein. Es ist sinnlos, sich das eigene Lektorat zu machen, denn der prüfende Blick einer Person, die den Text eben noch nicht kennt, ist essenzieller Bestandteil eines Lektorats. Auch sind die wenigsten Autor:innen derart in Design geschult, dass sie verkaufsstarke Cover selbst erstellen könnten. Fürs Korrektorat findet man vielleicht einen befreundeten Komma-Junkie, den Buchsatz kann man, wenn man bereit ist, sich in die Materie einzuarbeiten, vermutlich selbst machen. Beides wird dann natürlich nicht so gut wie bei den Profis, aber mit etwas Geschick zumindest vertretbar. So oder so: Alle oder einen Teil dieser Dienstleitungen einzukaufen bedeutet natürlich zum Teil erhebliche Ausgaben.


Was allerdings auch gesagt werden muss (und das auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole): Im Kleinverlagsbereich bekommt man diese Leistungen oft auch nicht – jedenfalls nicht in der Qualität, die Profis anbieten. Denn oft sind Kleinverlage One-Person-Shows – die Verleger:in macht (fast) alles selbst und ist dabei natürlich genauso wenig Allround-Profi wie eine Selfpublisher:in. Denn Kleinverlage verkaufen oft eben auch nicht die hohe Anzahl an Büchern, die es bräuchte, um all diese Dienstleistungen zu finanzieren. Also wird eben gespart, wo es möglich ist. Wenn ich bei Kleinverlagen veröffentlicht habe, hatte das Buch eben vielfach kein professionelles, sondern ein Hobby-Lektorat, kein professionelles, sondern ein Hobby-Cover.


Der Mittelweg zwischen Qualität und Kosteneinsparung ist für eine Autor:in also eigentlich nur der Großverlag. Wie gesagt: Qualität ist auch hier nicht immer garantiert, aber doch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit erwartbar. Zudem arbeitet hier ein ganzes Unternehmen an einem Buch, sodass man sich eher darauf verlassen kann, dass die jeweils zuständige Person auch wirklich fachlich geschult ist.


Worüber ich noch gar nichts geschrieben habe: Marketing. Auch hier fallen Kosten an. Mehr dazu unter der nächsten Überschrift.


Um jetzt aber etwas Positives zu sagen: Im Selfpublishing hat man zu 100 Prozent in der Hand, wie viel Geld man für das Buch ausgeben möchte. Und man bekommt ebenfalls 100 Prozent der Einnahmen. Wird das Buch also tatsächlich erfolgreich, verdient daran auch wirklich die Autor:in und niemand. Das Autor:innenhonorar, das Verlage anbieten (in der Regel zwischen 6 und 10 Prozent des Nettverkaufspreises – bei einem 10-Euro-Buch also 1 Euro pro Verkauf), ist um ein Vielfaches geringer und (wenn man bedenkt, dass Autor:innen heutzutage auch noch einen erheblichen Teil des Marketings und die dazugehörigen Kosten selbst tragen) auch nicht unbedingt fair.


Vorteil: Alle Erlöse, die das Buch einspielt, landen bei der Autor:in.


Nachteil: Alle Kosten, die entstehen, müssen im Selfpublishing selbst getragen werden.


Zeitfresser Marketing


Das Produkt kann noch so toll sein – wenn es niemand kennt, kauft es auch niemand. Wer sich für den Weg des Selfpublishings entscheidet, kann nicht auf das Know-how und die Reichweite eines Verlages zurückgreifen, sondern muss das Marketing komplett selbst stemmen. Das ist nicht nur ein gewaltiger Zeitfresser, sondern verursacht auch noch einmal Kosten. Hinzu kommt, dass man überhaupt erst einmal eine vernünftige Strategie entwickeln muss. Viele Selfpubsliher:innen machen den Fehler, blind alle möglichen Kanäle irgendwie zu bespielen – ohne sich tatsächlich Gedanken darüber zu machen, wer genau überhaupt die eigene Zielgruppe ist, wo sie sich aufhält und wie man sie anspricht.


Man könnte meinen, dass es auf jeden Fall nachteilig ist, hier alles selbst und ohne Verlag zu machen. Meine Erfahrung zeigt aber, dass dem nicht so ist. In Großverlagen sitzen Expert:innen für Marketing, da kann man davon ausgehen, dass die schon wissen, was sie tun. In Kleinverlagen aber nicht. Marketing wird in Kleinverlagen in der Regel stiefmütterlich behandelt. Abgesehen von Social Media und Messebesuchen findet kaum etwas statt, auch ein Budget ist dafür nicht vorgesehen (ich wiederhole: 0 Euro Marketingbudget ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel!). Wer also bei einem Kleinverlag veröffentlicht, muss unter Umständen damit rechnen, dass hier sehr viel weniger passiert, als man sich erhoffen würde. Zum Beweis: Schaut euch auf Amazon die Werbeanzeigen im Bereich Bücher an. Wie viele stammen von Kleinverlagen und wie viele dazu im Vergleich von Selfpublisher:innen? Eben.


Auch beim Großverlag kann es Nachteile geben und zwar die nämlichen, die ich auch schon beim Punkt "Kreative Freiheit" genannt habe: Womöglich wird das eigene Buch der Verkäuflichkeit halber in einem Genre vermarktet, in das es überhaupt nicht gehört. Womöglich bekommt es einen neuen, unpassenden Titel. Oder ein furchtbares Cover, das eben eine gewisse Zielgruppe ansprechen soll. Oft geht das gut. Manchmal auch nicht. Manche Bücher in Großverlagen erhalten ein "Bestseller-Marketing". Das ist natürlich toll. Für andere ist das Budget dafür nicht vorgesehen und die Autor:in kann daran auch nichts ändern. Es ist eben nicht jedes Buch ein "Spitzentitel", manche laufen einfach nur mit und werden nach der ersten Auflage auch nie wieder nachgedruckt.


Als Selfpublisher:in hat man hier die Kontrolle, wo und wie man das eigene Buch vermarken will und wie viel oder wenig man dafür ausgeben will. Wer selbst veröffentlicht und überzeugt ist, dass das eigene Buch ein Bestseller-Marketing verdient, kann das (das entsprechende Budget vorausgesetzt) umsetzen, egal, ob ein Verlag daran glaubt oder nicht (ob das tatsächlich immer sinnvoll ist, ist wiederum eine andere Frage). Auch kann man im Selfpublishing das Buch solange auf dem Markt halten, wie man möchte. Verlage entscheiden sich oft (um Lager- und Logistikkosten einzusparen), schlechter laufende Titel einzustellen. Im schlimmsten Fall heißt das, dass eine Menge bereits gedruckter Bücher vernichtet wird. Dass das für die jeweilige Autor:in ein Schlag ins Gesicht ist, versteht sich von selbst.


Ehrlich muss man aber sagen, dass Marketing unglaublich viel Zeit kostet, vor allem, wenn man alles allein macht. Auch Know-how ist gefragt. Wisst ihr beispielsweise, was SEO und SEA bedeutet? Solche Abkürzungen solltet ihr kennen und natürlich auch das dahinterstehende System. Bei meinen Beispiel geht es um die Optimierung von Homepages und bezahlten Werbeanzeigen, damit Suchmaschinen wie Google sie besser ausspielen. (Ich beispielsweise achte darauf, während ich genau diesen Artikel schreibe, den ihr gerade lest.) Ob jede Autor:in SEO braucht, sei mal dahingestellt – aber es ist eben eine Entscheidung, die ihr für euch selbst treffen müsst.


Vorteil: Im Selfpublishing hat man die volle Kontrolle über das Marketingkonzept und -budget.


Nachteil: Sehr viel Aufwand und Know-how beim Marketing sind gefragt. Es fallen mitunter hohe Kosten an.


Fazit


Wer weiß, was er oder sie tut, und auch ein wenig Investitionskapital übrig hat, fährt im Selfpublishing womöglich besser. Denn hier kann man alles so umsetzen, wie man möchte, und bekommt am Ende auch alles zurück. Natürlich gibt es dabei immer das (hohe!) Risiko, sich vielleicht zu verkalkulieren oder den Markt falsch einzuschätzen. Je mehr Know-how man sich aber in diesem Bereich aneignet, desto geringer wird auch das Risiko. Gesagt sei allerdings auch: Selfpublishing ist ein Marathon. Die meisten Selfpublisher:innen werden erst nach X Büchern erfolgreich (was auch immer man darunter versteht) und schreiben eben erst dann schwarze Zahlen. Nicht nach dem ersten. Nicht nach dem zweiten. Wer also nur ein Herzensprojekt herausbringen, danach aber nicht dranbleiben möchte, muss damit rechnen, dass das Ganze höchstwahrscheinlich ein Minusgeschäft wird und bleibt.


Hat ein Kleinverlag eine spezifische, feste Fanbase kann allerdings dieser Weg trotz der genannten Nachteile lohnend sein. Das Konzept mancher Kleinverlage ist es, sich eine Leserschaft aufzubauen, die einfach jedes Buch kauft. Dazu braucht es dann langfristig auch gar nicht so viel aktives Marketing, sodass dieser Nachteil irrelevant wird. Wer also einen Text hat, der perfekt zum Programm eines bestimmten Kleinverlages passt, kann hier unter Umständen besser fahren als im Selfpublishing, weil man mit geringem Aufwand und geringen Kosten trotzdem viele Leser:innen erreicht.


Ein Großverlag ist natürlich eine verlockende Möglichkeit, den Roman professionell auf den Markt zu bringen und dabei auch von einer hohen Reichweite und (vor allem!) der Präsenz im Buchhandel zu profitieren. Im Großverlag landet allerdings nur, wer für den Mainstream schreibt. Bedient man Genres oder Themen, die gerade nicht im Trend liegen, wird man auch dann gegen Wände laufen, wenn die Qualität des Manuskripts eigentlich hoch ist. Und natürlich fühlt sich auch nicht jede Autor:in im Mainstreammarketing wohl bzw. ist bereit, zugunsten der Verkäuflichkeit Anpassungen am Projekt vorzunehmen. Denn im Großverlag geht es eben nicht um Herzblut, sondern um Verkäufe.


Was ich allerdings noch anmerken möchte: "Ich habe einfach keinen Verlag gefunden" ist ein schlechter Grund, sich fürs Selfpublishing zu entscheiden! Dass nicht jedes Buch zum Großverlag passt, versteht sich von selbst, aber zumindest Kleinverlage sollte man schon interessieren können. Wenn sich auch hier keiner findet, seid ihr mit eurem 10-bändigen Epos entweder extrem ambitioniert, das Buch ist absolut exotisch oder eben einfach noch nicht bereit für die Veröffentlichung. In ersten Fällen, ist Selfpublishing dennoch der richtige Weg. Trifft aber letzteres zu, wäre der richtige Weg eher, noch einmal in die Überarbeitung zu gehen, als unbedingt die Veröffentlichung durchzusetzen. Andernfalls werden potenzielle Leser:innen euer Buch nicht gut aufnehmen, nicht kaufen und ihr macht euch obendrein euren Autor:innennamen kaputt.


Übrigens: Verlage, die für die Veröffentlichung von euch Geld oder auch Mindestabnahmemengen von Büchern verlangen, sind sogenannte Druckkostenzuschussverlage (DKZVs). In der Bruchbranche gelten sie als absolut unseriös, weil sie sich nicht durch Buchverkäufe, sondern durch die Zahlungen, die ihnen ihre Autor:innen leisten, finanzieren. Hiervon sollte man großen Abstand nehmen! In einem solchen Verlag zu veröffentlichen, schadet dem Ruf des Buches, dem Autor:innennamen und dem Geldbeutel erheblich.


Ich fasse noch einmal zusammen:


Vorteile:

  • Selfpublishing bietet die volle kreative Freiheit bei der Bucherstellung.

  • Der eigene Qualitätsanspruch ist im Selfpublishing zu 100 Prozent durchsetzbar.

  • Im Selfpublishing hat man die volle Kontrolle über das Marketingkonzept und -budget.

  • Alle Erlöse, die das Buch einspielt, landen bei der Autor:in.


Nachteile:

  • Manche kreativen Entscheidungen können die Verkäuflichkeit beeinträchtigen.

  • Qualität ist nicht bei allen Dienstleister:innen nachprüfbar und außerdem teuer.

  • Sehr viel Aufwand und Know-how beim Marketing sind gefragt.

  • Es fallen mitunter hohe Kosten an.

  • Alle Kosten, die entstehen, müssen im Selfpublishing selbst getragen werden.



Meine Motivation


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Zum Schluss noch ein paar persönliche Worte. Den Traum vom Großverlag hege ich längst nicht mehr: Weil ich selbst auch keine Bücher mehr aus Großverlagen lese. Die aktuellen Programme gehen völlig an meinem persönlichen Geschmack vorbei. Es wäre absurd, würden meine Bücher nun zwischen den Titeln stehen, die ich selbst niemals kaufen würde, oder? Sollte es einen neuen Trend geben, der besser zu mir und meinen Büchern passt, wäre ich offen, es mit einem Großverlag zu probieren ... aber auch ein wenig skeptisch. Denn ich will keine englischen Titel auf meinen Covern, ich will keine pathetischen Klappentexte und ich empfinde es nicht als fair, dass beispielsweise mein Engagment auf Social Media und anderen Marketingplattformen in keinster Weise vergütet wird. Das Angebot müsste also schon gut sein, damit ich anbeiße. "Die Stimme im Licht" und "Der Palast im Regen" jedenfalls habe ich keinem einzigen Verlag (egal, ob groß oder klein) angeboten, sondern in beiden Fällen von Anfang an eine Veröffentlichung via Selfpublishing geplant.


Selfpublishingtitel Selfpublishingbuch Selfpublisher Selfpublisherin Selfpublishingbücher Bestseller

Was ich bei meinen Büchern tatsächlich erlebe: Selfpublishing hat in manchen Kreisen immer noch einen schlechten Ruf. Bis zu einem gewissen Grad ist das natürlich verständlich. Denn auch mir ist schon eine Vielzahl an Selfpublishingbüchern über den Weg gelaufen, die es auch dann nicht in einen Verlag schaffen würden, wenn sie dem Trend mustergültig folgen würden – denn die handwerkliche Qualität ist katastrophal! Leider wird es diese Bücher wohl auch immer geben. Denn für viele Schreibenden ist das Veröffentlichen eine Art Statussymbol und unbedingtes Ziel – die Naivität ist ernorm, die Offenheit gegenüber Kritik gering. Und so erscheinen dann eben im Selfpublishing Bücher, die besser nicht erscheinen hätten sollen. Dass manche Leser:innen aber von einigen Ausreißern pauschal auf alle schließen und immer noch das Vorurteil "Selfpublishing-Bücher haben keinen Verlag gefunden" im Kopf haben, ist für Autor:innen natürlich zermürdend.


Selfpublishing bedeutet für mich auch: Viel lernen, viel ausprobieren, oft auf die Schnauze fallen. Ich habe Einiges an Marketing umgesetzt, was überhaupt nicht funktioniert hat und hatte in manchen Bereichen einfach eine falsche Einschätzung des Marktes. Den meisten Selfpublisher:innen wird das am Anfang ähnlich gehen. Ich jedenfalls kenne niemanden, der beim ersten Buch schon den vollen Durchblick hatte. Dafür ist sowohl der Buchmarkt als auch der Veröffentlichungsweg übers Selfpublishing einfach zu komplex. Dass sich in der Gesellschaft hartnäckig irreführende Glaubensätze wie "Wenn du ein Buch geschrieben hast, musst du es auch veröffentlichen" oder "Wenn dein Buch gut ist, wird es auch erfolgreich" halten, macht es natürlich nicht leichter.


Letztlich ist Selfpublishing immer eine Wette. Mit einer hohen Kritik- und Lernbereitschaft kann man die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass man diese Wette gewinnt. Eine Garantie gibt es aber nicht. Vermutlich gilt das aber genauso für den Veröffentlichungsweg über Verlage. Denn der Buchmarkt ist nun einmal übersättigt und entsprechend schwierig ist es, auf ihm Fuß zu fassen. Möglich ist es aber! Die meisten erfolgreichen Selfpublishing-Autor:innen schreiben und veröffentlichen schon viele Jahre und zeigen damit: Dranbleiben lohnt sich.



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